Buch-Tipp: Margrit Schriber «Die hässlichste Frau der Welt»
Wer ist die «hässlichste Frau der Welt»? Es ist Julia Pastrana – behauptete Theodor Lent, in erster Linie ihr Impresario (d.h. Agent oder Manager), in zweiter Linie ihr Mann – und verkaufte sie als solche. Julia Pastrana wurde 1834 in Mexiko als «Affenfrau» geboren: Mit kleiner, gedrungener Statur, von Kopf bis Fuss behaart und mit ausgeprägten Ohren und Nase. Merkmale, die damals wie heute selten sind, aber heute weiss man um die Ursache: die vererbliche Krankheit Hypertrichose.
Theodor Lent – Meister des schnellen Geldes und unbegabt in Mitgefühl und Nächstenliebe – entdeckte die genügsame und stille Julia und stellte sie auf der ganzen Welt als «hässlichste Frau der Welt» in seinen Shows aus, liess sie tanzen, verschiedene Sprachen sprechen, sticken, Fragen beantworten und übergab sie bereitwillig der Forschung, ganz im Dienste der Wissenschaft, die sich – vor Erscheinen von Darwins «Die Entstehung der Arten» (1859) – nicht einigen konnte: Wer oder was ist Julia Pastrana?
Eine Strafe Gottes, eine Rache der Natur, ein Zwischending, ein Mensch, ein Tier, eine Spezies aus der Zukunft? Julia liess alles über sich ergehen, duldsam, folgsam: Schriber zeichnet ein zartes Bild von Pastranas möglichen Gedanken und führt uns so nahe, sehr nahe zu dieser Frau, die sich auf absonderliche Weise über ihr Äusseres definieren lassen muss.
Als sich der Erfolg von Theodor Lents Shows zu schmälern beginnt, greift er zu grausamen Mitteln: Er heiratet Julia. Sie wird schwanger. Das Kind, hofft er, würde auch behaart sein und seine nächste ergiebige Einnahmequelle. Doch Erstens kommt es anders und Zweitens als man denkt.
Das Buch:
Margrit Schriber «Die hässlichste Frau der Welt»
192 Seiten
Verlag Nagel & Kimche AG, Zürich
CHF: 34.50
ISBN: 978-3-312-00446-1
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