Buch-Tipp: Norbert Loacker «Der Zufällige»
Morf, die Hauptfigur in Norbert Loackers Buch lässt sich durchs Leben treiben.
Morf, der Protagonist des Buches, begegnet, zweiundzwanzig Jahre alt, am alljährlichen Bazar der Pfarrei Rita, Tochter aus gutem Hause. Als wären sie schon immer ein Paar gewesen, fassen sie nach der Hand des Anderen, gehen in Ritas Elternhaus. Sie schlafen miteinander und Rita wird schwanger.
Ritas Familie nimmt Morf sofort unter ihre Fittiche und er beginnt in ihrer Firma zu arbeiten. All dies «fällt Morf zu» und - er lässt es geschehen, ein Mann, scheint es, der sich nicht damit auseinandersetzen kann, was er eigentlich möchte. Nicht einmal, als er später Tanja kennenlernt, ein Fräulein, wie man es damals nannte, eine junge Frau, die in derselben Firma arbeitet. Die beiden beginnen eine Affäre, er lügt nicht, als seine Frau ihn darauf anspricht.
Das Buch beginnt um «Zehn Uhr fünfzehn abends, die sechsunddreissig Stunden nach Patras haben gerade pünktlich begonnen (...)», Morf, an einem Punkt im Leben angekommen, an dem etwas vorbei ist, aber nichts Neues begonnen hat, fährt mit dem Schiff Richtung Griechenland und lässt seine Geschichte Revue passieren, emotionslos und müde. Schliesslich landet er auf Korfu, und es scheint, er verfliesse mit der Insel; «Auf Morfs Nacken das Stein- und Zeitgewicht der Mauern, in den Schenkeln die Schwäche nach der Reise, im Kopf der Abschied von allem.»
Dieser «Zufällige» hat sich seinen Emotionen nie angenähert, als wäre er eine Schachfigur auf einem schwarz/weissen Spielfeld, von Spielern gezogen. Das ist es. Es gibt kein «Happy End» und das, verbunden mit Loackers nüchterner Sprache, die in ihrer Reduktion nahe beim manchmal spröden Leben liegt, macht dieses Buch zum guten Freund, der einem nahelegt, einzuhalten und sich nach dem eigenen Willen zu fragen. Für die Dauer der Lektüre. Oder länger.
«Der Zufällige» ist ein Muss für Hitz- und Hetzköpfe - ein Buch gegen das Ausbrennen und Übereilen.
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