Buch-Tipp: Milena Moser «Möchtegern»
«Möchtegern» ist ein Muss für Monogamiemüde, denn jede der Moserschen Figuren zeigt früher oder später eine Facette, in die man sich verliebt
Und allen voran liebt man die Protagonistin Mimosa Mein, gestandene Schriftstellerin, die davon lebt, dass sie früher erfolgreich war und sich in dieser Lebensform wohlfühlt wie die Made im Speck.
Bis das Schweizer Fernsehen anruft und sie als Jurorin für die Sendung «Die Schweiz sucht den SchreibStar» aufbietet. Sie sagt zu - eher aus momentaner Unzurechnungsfähigkeit, denn aus Lust. Mitgehangen, mitgefangen: Auf einmal steckt sie im Prozess, den man aus zig Castingshows kennt: Casting, Einzug in die Schreibfabrik, Performances, «die Entscheidung», wenn es ums Ausscheiden geht und - das Finale.
Die besten Chancen haben nicht Talente, sondern Auffällige, wie die schöne, biestige Iris (die sich in der Schlussphase des Romans als Geheimnisträgerin entpuppt, ein Geheimnis mit dem auch Mein verbandelt ist) oder der gmüetsmorige Liedermacher Göpf Burri mit Ziehharmonika als Accessoire, den Moser einmal philosophieren lässt: «Was war ein Buch? Ein Ziegelstein aus Papier. Es klang nicht, es roch nicht. Es liess sich nicht dazu tanzen.»
Und die Jury besticht nicht durch Kompetenz, sondern durch Vehemenz. Mittendrin Mein, die mütterliche Gefühle für die Schreibzöglinge entwickelt, ihnen wünscht, was sie selber gerne hätte: keine andere Beschäftigung als das Schreiben. Sie drückt sich um Kritik, lässt sich von Schlagersänger Nico in eine Liebschaft reissen, die sie durch nichts ausser der wohltuenden körperlichen Zweisamkeit besticht.
Nico nennt Mimosa gerne «Büsi», ist vernarrt in sie, die macht, was ihr Herz gerade vorschlägt, ist vernarrt in sie wie alle, die ihren Weg kreuzen, nicht zuletzt die «Möchtegern»-LeserInnen.
Moser macht in ihrem Buch viele Anspielungen, sei es auf den Artist Formerly Known As Prince, Charlotte Roche, den Schweizer Diogenes Verlag und immer wieder die (Männer)welt von Max Frisch.
Man kann in diesem Roman finden, was man will: Spannung, Unterhaltung, Tragik, die pure Komödie und einen Krimi. Der Roman hat nur einen Mangel: Er ist nach 464 Seiten zu Ende.
«Möchtegern» ist ein auch Muss für Monogamiemüde, denn jede der Moserschen Figuren zeigt früher oder später eine Facette, in die man sich verliebt.
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