Buch-Tipp: Mitra Devi «Giftige Genossen»
Dass auch Verbrecherstories nicht eines gewissen Humors entbehren, beweist Mitra Devi mit ihren 15 Krimigeschichten in «Giftige Genossen».
Frauenfeld, Weinfelden, Leipzig, Wiesbaden ... Viele der 15 Krimigeschichten der Zürcher Autorin Mitra Devi spielen in einem deutsch und deutlich genannten Umfeld und dieses wird so anschaulich geschildert, dass man Stadtpläne danach zeichnen könnte. Das ist aber nur eine der Devi-Spezialitäten, denen wir in den kurzen (2 Seiten) bis langen (22 Seiten) mörderischen Erzählungen auf die Spur kommen - um es genregerecht auszudrücken.
Tod auf dem Planetenweg
Die Schriftstellerin verfügt über einen fantastischen Wahnwitz, den Mut zu überraschenden Wendungen und einen süffigen Humor, der nie sauglatt ist. Manche ihrer Geschichten sind unheimlich, alle haben urkomische Elemente - «Mord im Schatten des Jupiters» beispielsweise. Die Geschichte spielt in Frauenfeld. Der Räuber verfolgt eine Frau, die gerade Geld abgehoben hat, bis an den Planetenweg. Als er sie überfallen will, wird er von ihrem Komplizen überwältigt - das Pärchen ist ebenfalls kriminell, hat dem Räuber aufgelauert, die Frau hat zur Verharmlosung ihrer Erscheinung einen Rehpinscher geklaut. Dieser erbt schliesslich 86 540 Franken. Wie es dazu kommt, sollte man unbedingt selber nachlesen.
Ein Obdachloser mit Schuhtick
Wer auch immer rächt, gerächt wird oder jemanden zur Rache anstiftet - Mitra Devi erschreibt Figuren mit Geschichte. Die 91jährige Gerlinde, deren Neffe sich an ihrem Geld zu schaffen macht oder die romantische Nadja, die aus Protest gegen ihre Familie Domina wird ,oder den Obdachlosen, der über die Geschehnisse in Leipzig up to date ist, dadurch Verbrechen aufklärt und als Gegenleistung immer ein Paar Schuhe verlangt, weil er ein totaler Schuhfreak ist. Egal, ob Opfer oder Täter, die Figuren wachsen einem ans Herz.
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