Buch-Tipp: «Sieben Jahre Schlaf» von Karin Richner
Ein Buch für Gefühlsmenschen: «Sieben Jahre Schlaf»
Es sind nicht die Sommerferien, die Lucie ins Dorf getrieben haben. Es war die Nachricht, dass ihre Mutter nach einem Hirnschlag im Spital liegt. Lucie schafft es fast nicht, das Zimmer zu betreten, in dem die Mutter liegt, so ambivalent sind die Gefühle ihr gegenüber.
Das stille Kleeblatt
Die Schweizer Autorin Karin Richner (*1980) fädelt vorsichtig eine verstockte Mutter-Tochter Beziehung auf, erzählt auch von Lucies Grossmutter, die das Frauen-Kleeblatt komplettiert.
Die drei Blättchen hängen am selben Stiel, versuchen aber, sich nicht zu berühren - zu oft haben sich Mütter und Töchter enttäuscht. Ist nun, angesichts der Krankheit der Mutter, eine späte Annäherung möglich? Wird die Mutter für Lucie noch einmal ansprechbar sein?
Ein Mikroskop vor Augen
«Sieben Jahre Schlaf», ist ein warmer, weiblicher und bildreicher Roman und erzählt von drei Frauengenerationen. Karin Richner schreibt, als hätte sie ein Mikroskop vor Augen, sie sieht die Details.
Zum Beispiel zu Beginn des Romans, als Lucie zurück ins Dorf ihrer Kindheit fährt: «Das Licht verändert sich, je weiter ich nach Süden komme. So scharf ist die Landschaft auf einmal gezeichnet, dass mich das Gefühl befällt, ich könnte mich blutig schneiden an den Konturen der Rebstöcke, mit denen die steilen Hänge bepflanzt sind, der Zypressen mit ihren knorrigen Stämmen und Ästen, der weiten, violett leuchtenden Lavendelfelder, der Steinsplitter auf dem Asphalt.»
«Sieben Jahre Schlaf» ist ein Buch für Sensoriker. Dank seiner Detailtreue und Dichte kann man das Beschriebene riechen, die Dialoge werden laut, die Farben sichtbar. das Buch eigent sich deshalb bestens zum Langsamlesen. (kum)
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