Microsoft kauft Skype für 8,5 Milliarden Dollar
Microsoft-CEO Steve Ballmer (links) und Skype-CEO Tony Bates. (Keystone)
Skype ist 2003 mit einem Angebot vorgeprescht, das man kaum ausschlagen konnte: Telefonieren kostenlos, egal, ob man auf der anderen Strassenseite oder auf einem anderen Kontinent ist.
Der Dienst Skype nutzt die Internet-Telefonie (VOIP/Voice over Internet Protocol), das heisst: Die Worte werden digitalisiert, in kleine Datenpakete zerlegt und über das Netz verschickt. Zusätzlich können die Nutzer wie bei anderen Messaging-Diensten miteinander Textnachrichten austauschen und sehen, wer gerade online ist. 2006 kam auch Videotelefonie dazu.
Aktuell hat Skype mehr als eine halbe Milliarde registrierte Nutzer. Kostenlos sind nur die Gespräche unter Skype-Nutzern. Will man im gewöhnlichen Telefonnetz anrufen oder mit einer Telefonnummer erreichbar sein, kostet das Geld. Das Geschäftsmodell sorgte für rasant steigende Nutzerzahlen - aber auch für schmale Erträge, weil die meisten natürlich das kostenlose Angebot bevorzugen.
Der Computerkonzern Microsoft untermauert mit dem Kauf des Internettelefoniedienstes Skype seine Ambitionen im Mobilfunk. Der Preis für den defizitären Skype-Dienst beläuft sich auf 8,5 Milliarden Dollar und stellt damit die grösste Übernahme in der 36-jährigen Geschichte des Windows-Herstellers dar.
Auf die Transaktion hätten sich bereits die Führungsspitzen beider Unternehmen geeinigt, teilte Microsoft mit. Skype soll demnach eine neue Geschäftseinheit im Microsoft-Konzern werden.
Möglicherweise ist der Preis das Ergebnis eines Bieterwettstreits: Zuletzt hatte es auch Berichte über Gespräche von Skype mit Google und Facebook gegeben.
Enge Zusammenführung geplant
Die Dienste beider Unternehmen sollen eng zusammengeführt werden: So werde Skype etwa auf Microsofts Spielkonsole Xbox kommen und mit dem Mailprogramm Outlook verknüpft werden, kündigte Microsoft weiter an.
Der sehr populäre Telefondienst bringt Microsoft nicht nur neue Kunden und Kommunikationsangebote, sondern auch ein Standbein im lukrativen Geschäft mit Video-Konferenzen. In Zeiten, wo Unternehmen weltweit immer stärker bei Geschäftsreisen sparen, wird der Informationsaustausch mit Hilfe von Bild- und Tonübertragungen immer wichtiger.
Skype massiv teurer weiterverkauft
Der Preis ist ein heftiger Aufschlag im Vergleich zu dem, was bisher für Skype bezahlt wurde. Der Online-Auktionsspezialist Ebay hatte Skype 2005 für 2,6 Milliarden Dollar von den Gründern übernommen. Eine Idee war, dass bei Ebay-Auktionen Interessenten über Skype Kontakt zum Verkäufer aufnehmen könnten. Skype konnte jedoch nie so recht in Ebay integriert werden und wurde nach Milliarden-Abschreibungen 2009 an Finanzinvestoren verkauft.
Skype hatte im vergangenen August einen Börsengang angekündigt, aber nie einen genauen Zeitpunkt genannt. Dem «Wall Street Journal» zufolge sollte die Aktienplatzierung eine Milliarde Dollar einbringen. In der Vergangenheit habe das Unternehmen sich aber bereits für 5 bis 6 Milliarden Dollar zum Kauf angeboten.
Microsoft will weiter wachsen
Microsoft, dessen grösstes Geschäft nach wie vor das Betriebssystem Windows und die Office-Büroprogramme sind, versucht schon seit Jahren, mit Milliarden-Investitionen neue Geschäftsbereiche zu erschliessen, mit wechselhaftem Erfolg. Aktuell setzt der früher auf fest installierte Software fixierte Konzern auf das sogenannte Cloud Computing - die Bereitstellung von Software und Daten aus dem Internet. (bru, dpa/reuters)
Mehr zum Stichwort:
