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(Keystone)

Grübel: Von der CS zur UBS

Anfang 2009, im Alter von 66 Jahren, war Oswald Grübel noch einmal als Krisenmanager auf eine Kommandobrücke zurückgekehrt. Der ehemalige Chef der Credit Suisse (CS) löste damals den amtierenden UBS-Konzernchef Marcel Rohner ab.

Grübel schien es zunächst zu gelingen, die schwer angeschlagene Bank vom Abgrund zurück in sichere Bahnen zu lenken. Im Herbst 2011 aber erschüttert ein neuer Skandal die UBS: Ein junger Investmentbanker in London setzt rund zwei Milliarden Franken in den Sand. Nach tagelanger Kritik reicht Grübel beim UBS-Verwaltungsrat seinen Rücktritt ein.

Wahl Grübels übrrascht
Dass Grübel 2009 überhaupt zur UBS stiess, war damals ein Paukenschlag. Nach seinem Rücktritt bei der CS im Mai 2007 war der Deutsche vor allem in der Rolle des «Elder Banker» aufgetreten, der die Finanzkrise und auch die Lage der UBS in Interviews kommentierte.

Pensionär gibt Comeback
Grübel blickte damals auf eine fast 40-jährige Karriere bei der CS zurück. Die Rückkehr ins Bankgeschäft und dies erst noch bei jener Bank, die während 36 Jahren seine Hauptkonkurrentin gewesen war, begründete Grübel damals vor allem mit seinem Engagement für einen starken Schweizer Finanzplatz.

«Ich bin überzeugt, dass es auf dem Schweizer Finanzplatz mehr als eine globale Grossbank braucht.» In diesen ausserordentlichen Zeiten, ein Unternehmen wie UBS mit ihrer einzigartigen Kundenbasis zu führen, sei eine faszinierende Herausforderung.

Kommentator der Krise
Oswald Grübel hatte sich mehrmals öffentlich zur Finanzkrise und zu den Wirren bei der UBS geäussert. Im August 2008 sagte er gegenüber der «Weltwoche»: «Ich bedaure es sehr, was der UBS passiert ist. Das hat der UBS und auch allen anderen Schweizer Banken enorm geschadet».

Dass die UBS den US-Behörden alle Kunden melden wolle, die Steuerbetrug begangen hätten, sei höchst Image schädigend für das Schweizer Private Banking und höchst nachteilig für den Schweizer Finanzplatz, so Grübel. Natürlich würden die Geldflüsse vom Ausland in die Schweiz dadurch beeinträchtigt.

Die Steueraffäre war für ihn aber kein Fall Bankgeheimnis: «Man versucht von einem individuellen Problem einer Bank abzulenken auf das Bankgeheimnis. Das ist gar nicht das Thema.» Würde das Bankgeheimnis abgeschafft, wäre dies zwar kurzfristig von Nachteil, aber längerfristig nicht, meinte Grübel. Denn Banken müssten sich durch gutes Vermögensmanagement auszeichnen.

Fast 40 Jahre der Credit Suisse treu
Der 1943 in Ostdeutschland geborene Oswald Grübel kam 1970 von der Deutschen Bank zur damaligen Schweizerischen Kreditanstalt (SKA), der späteren Credit Suisse. Nach Stationen in Zürich und London war Grübel in den Achtziger Jahren bei der Credit Suisse First Boston in Singapur und Hongkong für den weltweiten Eurobondhandel verantwortlich.

Ab 1. Januar 1991 war er CS-Generaldirektor und als solcher für die Bereiche Effektenhandel Schweiz und Ausland zuständig. Mit der Restrukturierung der Credit Suisse wurde Grübel Mitte 1996 als Head Global Trading in die Gruppenleitung gewählt. Vor seinem kurzzeitigen Rückzug hatte er das Private Banking geleitet und mit harter Hand reorganisiert.

Retter in der Not
Unter CS-Chef Lukas Mühlemann wurde Grübel für ein Jahr aufs Abstellgleis geschoben. Im Juli 2001 ging er erstmals in Pension. Nur ein Jahr später, im Herbst 2002, kehrte Grübel als Retter in der Not zurück. Nach dem Rücktritt Mühlemanns als Verwaltungsrat und Konzernchef wurde Grübel Chef der Financial Services (CSFS) bei seiner früheren Arbeitgeberin.

Von 2003 an war die Konzernleitung der Grossbank - ein Novum in der Schweizer Wirtschaft - doppelt besetzt: Grübel teilte sich die Verantwortung mit dem US-Amerikaner John Mack, der die CSFB leitete. Im Juni 2004 trat Mack zurück, und Grübel wurde alleiniger Chef der Credit Suisse, die stets im Schatten der erfolgsverwöhnten UBS stand.

Bei der Credit Suisse erfolgreich
Unter Grübels Führung schaffte die Credit Suisse den Turnaround. Der behäbig wirkende Banker hat die Altlasten aus der Mühlemann-Zeit bewältigt. Er fuhr einen rigiden Sparkurs und baute tausende von Stellen ab. Grübel sanierte die Winterhur-Versicherung und brachte im Juni 2006 deren Verkauf an den französischen Axa-Konzern für 12,3 Milliarden Franken zu Stande.

Nach einem Rekordverlust von über drei Milliarden Franken im Jahr 2002, brachte Grübel die Bank wieder auf Kurs. 2006 erwirtschaftete sie einen Rekordgewinn von über elf Milliarden Franken.

Rücktritt auf dem Höhepunkt
Im Februar 2007 kündigte Grübel auf dem Höhepunkt seiner Karriere überraschend seinen Rücktritt als CS-Konzernchef an. Er trat ab, nachdem er die Scherben der gescheiterten Allfinanz-Strategie des früheren Präsidenten Lukas Mühlemann aufgeräumt und die Grossbank neu aufgestellt hatte. «Meine Arbeit ist getan. Es ist nicht nötig, dass ich herumhänge», bemerkte er damals in seiner typisch trockenen Art. (acd, ap/sda)

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Dossier: Die UBS in Turbulenzen
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