(Reuters)
Kontrahenten: Hamas und Fatah
Die Hamas und die Fatah liefern sich einen erbitterten Kampf um die Macht bei den Palästinensern. Ein Überblick über die wichtigsten politischen und militärischen Kräfte in den palästinensischen Autonomiegebieten.
| Hamas | |
| Die palästinensische Organisation Hamas kämpft seit 21 Jahren gegen Israel und für die Errichtung eines Staates Palästina vom Jordan bis zum Mittelmeer. Gespräche mit Israel lehnt die Organisation ab. Israel lässt Hamas zunächst gewähren Hamas ist das Kurzwort für Harakat al-muqawama al-islamija, Islamische Widerstandsbewegung, und bedeutet Eifer. Der Ableger der ägyptischen Muslimbruderschaft entsteht kurz nach Beginn der ersten Intifada 1987. Zu Beginn wird die islamistische Bewegung mit starkem sozialpolitischem Engagement von Israel als Gegengewicht gegen die Fatah von Yassir Arafat akzeptiert. Wohltätige Organisation Zunächst tritt die Hamas vor allem als Wohlfahrtsorganisation auf. Ihr soziales Netz mit Schulen, Suppenküchen und Arbeitsvermittlungen sorgt für hohes Ansehen in der verarmten palästinensischen Bevölkerung. Die karitative Arbeit der Hamas ist mit ein Grund, weshalb die Bewegung in der palästinensischen Bevölkerung tief verankert ist. Bewaffneter Kampf Im August 1988 verabschiedet die Hamas eine Charta, die als Gründungsprogramm gilt. Darin wird die Errichtung eines islamischen Staates in den Grenzen des ehemaligen britischen Mandatsgebiets gefordert. Damit verliert die Bewegung jede Sympathie auf israelischer Seite. Während der ersten und zweiten Intifada ist die Hamas für zahlreiche Terroranschläge, insbesondere Selbstmordattentate gegen Israel verantwortlich. Der geistige Führer der Hamas, Scheich Ahmed Yasin, wird bei einem israelischen Luftangriff Ende März 2004 getötet. Politischer Kampf Die Hamas beginnt sich 2005 zu einer politischen Partei umzuformieren. Der politische Arm der Hamas widmet sich in erster Linie der Behinderung des Friedensprozesses und der Bekämpfung der israelischen Siedlungspolitik in den Autonomiegebieten. Hamas regiert im Gazastreifen Im Januar 2006 gewinnt die Hamas die Wahlen in den palästinensischen Autonomiegebieten. In einem blutigen Machtkampf vertreibt die Hamas Mitte 2007 die Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas aus dem Gazastreifen. Ismail Haniyya, einer der politischen Führer der Hamas, ist de facto Ministerpräsident des Gazastreifens. |
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| Fatah | |
| Die Fatah wird von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas angeführt und kontrolliert das Westjordanland. Rückeroberung Palästinas als Ziel 1958 wird die Fatah von palästinensischen Arabern im Exil in Kuwait als Kampforganisation zur Rückeroberung Palästinas gegründet. Ende 1964 verüben Fatah-Kommandos erste Anschläge in Israel. In den Folgejahren operieren die Kämpfer hauptsächlich von Jordanien aus, verüben Bombenattentate und legen Hinterhalte. Anfang der 1970er-Jahre dient der Südlibanon als neue Basis im Kampf gegen Israel. Als Israel 1982 in den Libanon eindringt, zerstreut sich die Gruppe in verschiedene Staaten. Fatah anerkennt Israel Ende der 1980er-Jahre sagt sich die Guerillaorganisation offiziell vom Terrorismus los. Im Rahmen des Oslo-Friedensprozesses anerkennt die Fatah 1993 unter ihrem Vorsitzenden Yassir Arafat das Existenzrecht Israels an und bekennt sich zum Friedensprozess. Im Gegensatz zur Hamas strebt die Fatah eine Zweistaatenlösung an. Die Fatah, 40 Jahre lang die mächtigste und lange Zeit auch alleinige politische Kraft in den palästinensischen Gebieten, hat damit in den Augen der Hamas jämmerlich versagt. Arafats Entmachtung Mitbegründer Yassir Arafat kann nach dem Scheitern des Oslo-Friedensprozesses der Bevölkerung kaum noch Vorteile des politischen Weges verkaufen. Immer mehr entgleitet ihm die Kontrolle über die radikalen Kräfte. Die Hamas erhält immer mehr Zulauf. Im November 2004 stirbt Arafat. Abbas mit geringer Macht Israel fordert von Arafat-Nachfolger Mahmud Abbas energisches Durchgreifen gegen die Hamas, beschneidet aber wo immer möglich auch dessen Macht. Zusätzlich gewinnt die Hamas an Attraktivität, weil die Fatah immer mehr in Korruption und Vetternwirtschaft verwickelt ist. Abbas bemüht sich um die Bildung einer Einheitsregierung. 2007 kommt es zu bürgerkriegsähnlichen Machtkämpfen und in der Folge zum endgültigen Bruch zwischen der Fatah und der Hamas, die palästinensischen Autonomiegebiete werden faktisch geteilt. |
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| Kassam-Brigaden | |
| Der militärische Flügel der Hamas sind die Kassam-Brigaden. Die Untergrundorganisation organisiert Anschläge und Attentate. Seitdem sich Israel mit einem Grenzzaun vor Selbstmordattentätern schützt, setzen die Kassam-Brigaden Mörser und Raketen gegen Israel ein. |
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| Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden | |
| Die in Zellen organisierten al-Aksa-Märtyrer-Brigaden sind ein bewaffneter Zweig der Fatah. Sie verübten zahlreiche Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten. Zu ihren Opfern gehören auch vermeintliche palästinensische Kollaborateure. Mit dem Tod von Yassir Arafat haben sich die al-Aksa-Märtyrer-Brigaden in Yassir-Arafat-Märtyrer-Brigaden umbenannt. |
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| Hizbullah | |
| In der arabischen Welt geniesst der Hizbullah hohes Ansehen, während sie in den westlichen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird. Widerstand gegen israelische Invasion Der Hizbullah ist eine politisch-militärische islamische Organisation im Libanon. Er wird 1982 durch den Zusammenschluss verschiedener schiitischer Gruppen und mit der Unterstützung des Iran zum Widerstand gegen die israelische Invasion in den Libanon gegründet. Konsequenter Kampf gegen israelische Besatzung Der Hizbullah entwickelt sich zur stärksten Widerstandsorganisation gegen die israelische Besatzungsmacht in der so genannten Sicherheitszone im Südlibanon. Die «Partei Gottes» verübt zahlreiche Anschläge und Attentate vor allem innerhalb des besetzten Libanons gegen die israelische Armee und ihre Verbündeten. Israel zieht seine Truppen aus Libanon zurück Die Besetzung des Südlibanon wird im Laufe der Jahre zur Bürde für Israel und erweist sich als sehr kostspielig. Nach fast zwei Jahrzehnten verlassen Ende Mai 2000 die letzten israelischen Soldaten den Libanon. Hizbullah-Chef Sayyid Hasan Nasrallah feiert diesen Rückzug als grossen Sieg. Politisch und militärischer Arm Die Organisation verfügt über einen politischen und einen militärischen Arm. Seit 1992 ist der Hizbullah auch im Parlament vertreten. Er ist die am professionellsten aufgebaute politische Partei im Libanon. Soziales Netzwerk Der Hizbullah geniesst im Libanon grosse Unterstützung. Der erfolgreiche Widerstand gegen die israelische Besetzung ist ein Grund. Ein anderer ist sein karitatives Engagement: Der Hizbullah unterhält ein Netzwerk von Krankenhäusern, Schulen und Waisenhäusern, wodurch sich die Organisation auch Ansehen in christlichen Kreisen erworben hat. Unterstützung der Palästinenser Die Solidarität für die Palästinenser ist seit der Gründung der Organisation ein wichtiger Bestandteil ihres Programms. Das israelische Vorgehen gegen Palästinenser stuft der Hizbullah als Terrorakt ein. |
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