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Montag, 23.6.2008

Gerhard Meier - zum Tod des Schriftstellers

Kurz nach seinem 91. Geburtstag ist Gerhard Meier verstorben. Er gehört nicht zu den meist gelesenen Autoren, gilt aber als einer der wichtigsten Schriftsteller und Dichter der Schweiz. Mit seinen Texten hat Gerhard Meier seinen Heimatort Niederbipp unter dem Namen «Amrain» in die Weltliteratur getragen.

Gerhard Meier, geboren am 20 Juni 1917, sammelte bereits während seiner Studienzeit erste schriftstellerische Erfahrungen. Er widmete sich jedoch erst 1957 wieder dem Schreiben - im Alter von 54 Jahren. Zuvor hat er seiner Familie zuliebe auf seine Leidenschaft verzichtet: Nach dem Abbruch seines Hochbau-Studiums arbeitete Meier 33 Jahre in der Lampenfabrik seines Heimatdorfes Niederbipp. Zwei Jahrzehnte lang hat er kein Buch angerührt - aus Angst, an der Literatur zu zerschellen.

«Nur über die Provinz kommt man in die Welt»
Im Jahr 1964 erschien Gerhard Meiers erster Gedichtsband «Das Gras grünt». In den folgenden rund vierzig Jahren folgten weitere Gedichte, lyrische Kurzprosa und auch Romane. In seinen Texten beschäftigte sich Meier oft poetisch mit dem Kleinräumigen, Provinziellen und mit den kleinen, alltäglichen Aspekten des Lebens. Ihn faszinierten die Vergänglichkeit und die Langsamkeit mehr als das Spektakuläre.

Meiers Opus Magnum: die «Amrainer Tetralogie»
Zu Meiers bekanntesten Figuren gehören Baur und Bindschädler, ein altes Freundespaar. In den drei Bänden «Die Toteninsel» (1979), «Borodino» (1982) und der «Ballade vom Schneien» (1985) philosophieren sie über Gott und die Natur, den Menschen und den Tod. Und mit ihren Dialogen holen sie die Welt in die Provinz nach Amrain, das unschwer als Meiers Heimatdorf Niederbipp zu erkennen ist. 1990 erweitert Meier seine Trilogie mit dem Roman «Land der Winde», darin lauscht Bindschädler der Rede des Toten Baur.

Der geschenkte Kafka-Preis
Gerhard Meier wurde mit mehreren bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet, so etwa mit dem Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1970 und 1976), dem Petrarca Preis (1983), dem Kunstpreis Berlin (1991) und dem Gottfried-Keller-Preis (1994). 1979 erhielt Gerhard Meier von Peter Handke die Hälfte des ihm verliehenen Kafka-Preises - eine Geste, die Meier einer breiten Öffentlichkeit bekannt machte. Trotz der Anerkennung vieler Literaturschaffender hat sich Meier dem Literaturbetrieb weitgehend verweigert und führte ein zurückgezogenes Leben in seinem Heimatdorf.

Eine Hymne auf die Liebe und die Literatur
2006 veröffentlichte Regisseur Friedrich Kappeler seinen zweiten Dokumentarfilm über Gerhard Meier, «Das Wolkenschattenboot». In dem bewegenden Werk über die Kraft der Liebe und der Kunst, erinnert sich der Autor an seine 1997 verstorbene Frau Dorli. Seine innige, über 60 Jahre währende Beziehung zu ihr hat Meier 2005 im Buch «Ob die Granatbäume blühen» beschrieben.

Joël Gernet

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DRS1, Rendez-vous, 11.7.2007

Auf literarischer Spurensuche bei Gerhard Meier

Nicht alle Einwohner von Niederbipp kennen Gerhard Meier, den bekannten Schriftsteller und Ehrenbürger ihres Dorfes. Besuchen Sie ihn zusammen mit Werner Morlang, dem Germanisten und langjährigen Weggefährten Meiers.

Hören (14:40)


DRS2, Passage 2, 28.9.1990

Gerhard Meier: Land der Winde

Eigentlich hat Gerhard Meier gedacht, dass der letzten Band seiner «Baur und Bindschädler»-Trilogie den Abschluss seiner Literatur-Karriere bildet. Doch dann kam alles anders. Wie kommt es dazu, dass Gerhard Meier den vierten Band einer Trilogie schreibt? Wie versteht er seine Prosa? Im Gespräch schildert Meier, wie trotz Baurs Tod ein vierter Baur-und-Bindschädler-Roman entstanden ist.

Hören (33:53)


Passage 2: 15.6.2007, DRS 2

Proust in Amrain - Gerhard Meier wird 90

Gerhard Meier - der Marcel Proust aus Amrain, wie er nach einem seiner Vorbilder oft genannt wird - hat mit seiner Roman-Tetralogie um Baur und Bindschädler sein Heimatdorf Niederbipp unvergesslich auf die Karte der Weltliteratur gebracht - unter dem Namen Amrain. Hören Sie ausgewählte Ausschnitte aus Gesprächen des Autors mit Schweizer Radio DRS, aufgenommen zwischen 1978 und 1997.

Hören (54:12)


DRS1, 02.11.1978

Als ich ein Kind war... Gerhard Meier blickt zurück

Gerhard Meier blickt auf seine Kindheit zurück. Hören Sie ihn im Gespräch über seinen Hang zum Kleinräumigen, seine Eltern und sein Vorbild Leo Tolstoi.

Hören (30:06)


Weiterführende Links zum Beitrag:

  • Autoren der Schweiz: Gerhard Meier
  • Culturactif.ch: Gerhard Meier (Bibliographie & Biographie)

Mehr zum Stichwort:

  • Gerhard Meier

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