Gerhard Meier - zum Tod des Schriftstellers
Gerhard Meier, geboren am 20 Juni 1917, sammelte bereits während seiner Studienzeit erste schriftstellerische Erfahrungen. Er widmete sich jedoch erst 1957 wieder dem Schreiben - im Alter von 54 Jahren. Zuvor hat er seiner Familie zuliebe auf seine Leidenschaft verzichtet: Nach dem Abbruch seines Hochbau-Studiums arbeitete Meier 33 Jahre in der Lampenfabrik seines Heimatdorfes Niederbipp. Zwei Jahrzehnte lang hat er kein Buch angerührt - aus Angst, an der Literatur zu zerschellen.
«Nur über die Provinz kommt man in die Welt»
Im Jahr 1964 erschien Gerhard Meiers erster Gedichtsband «Das Gras grünt». In den folgenden rund vierzig Jahren folgten weitere Gedichte, lyrische Kurzprosa und auch Romane. In seinen Texten beschäftigte sich Meier oft poetisch mit dem Kleinräumigen, Provinziellen und mit den kleinen, alltäglichen Aspekten des Lebens. Ihn faszinierten die Vergänglichkeit und die Langsamkeit mehr als das Spektakuläre.
Meiers Opus Magnum: die «Amrainer Tetralogie»
Zu Meiers bekanntesten Figuren gehören Baur und Bindschädler, ein altes Freundespaar. In den drei Bänden «Die Toteninsel» (1979), «Borodino» (1982) und der «Ballade vom Schneien» (1985) philosophieren sie über Gott und die Natur, den Menschen und den Tod. Und mit ihren Dialogen holen sie die Welt in die Provinz nach Amrain, das unschwer als Meiers Heimatdorf Niederbipp zu erkennen ist. 1990 erweitert Meier seine Trilogie mit dem Roman «Land der Winde», darin lauscht Bindschädler der Rede des Toten Baur.
Der geschenkte Kafka-Preis
Gerhard Meier wurde mit mehreren bedeutenden Literaturpreisen ausgezeichnet, so etwa mit dem Preis der Schweizerischen Schillerstiftung (1970 und 1976), dem Petrarca Preis (1983), dem Kunstpreis Berlin (1991) und dem Gottfried-Keller-Preis (1994). 1979 erhielt Gerhard Meier von Peter Handke die Hälfte des ihm verliehenen Kafka-Preises - eine Geste, die Meier einer breiten Öffentlichkeit bekannt machte. Trotz der Anerkennung vieler Literaturschaffender hat sich Meier dem Literaturbetrieb weitgehend verweigert und führte ein zurückgezogenes Leben in seinem Heimatdorf.
Eine Hymne auf die Liebe und die Literatur
2006 veröffentlichte Regisseur Friedrich Kappeler seinen zweiten Dokumentarfilm über Gerhard Meier, «Das Wolkenschattenboot». In dem bewegenden Werk über die Kraft der Liebe und der Kunst, erinnert sich der Autor an seine 1997 verstorbene Frau Dorli. Seine innige, über 60 Jahre währende Beziehung zu ihr hat Meier 2005 im Buch «Ob die Granatbäume blühen» beschrieben.
Joël Gernet
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