Hamdani wieder in der Schweiz
Der während 19 Monaten in Libyen festgehaltene Rachid Hamdani befindet sich wieder auf Schweizer Boden. Dies bestätigte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten. Der schweizerisch-tunesische Doppelbürger war in der Nacht auf Dienstag mit Erlaubnis der libyschen Behörden nach Tunesien ausgereist. Von dort flog er zurück in die Schweiz.
Hamdani zeigt sich erleichtert
Es sei wie ein Traum, sagte Rachid Hamdani gegenüber dem Westschweizer Fernsehen in der bisher einzigen Stellungnahme nach der Ausreise. Die Zeit im Gefängnis nach seiner Festnahme am 19. Juli 2008 sei bei weitem der schwierigste Moment in seinem Leben gewesen. Zuvor habe er nie etwas mit der Justiz zu tun gehabt.
Auch die letzte Nacht, bis er die Erlaubnis für die Ausreise aus Libyen erhalten habe, sei ein schwieriger Moment gewesen.
Solidarität mit Göldi
Hamdani äusserte sich solidarisch mit Max Göldi. Der zweite Schweizer, der seit 19 Monaten in Libyen festgehalten wird, hatte sich am Montag den libyschen Behörden gestellt und wurde in ein Gefängnis gebracht.
Ihn zu verlassen, sei sehr schmerzhaft gewesen. «Wir waren immer zusammen», sagte er. Er fühle sich nicht gut, allein zurückzukehren.
Bald zurück in der Schweiz
Obwohl er bereits im Besitz seiner Ausreisepapiere war, war Hamdani am Montag noch mindestens acht Stunden im Aussenministerium in Tripolis festgehalten worden. Danach wurde er den einheimischen Medien vorgeführt.
Er bedankte sich für die gute Behandlung durch die Behörden und sagte, er wolle eines Tages wieder nach Libyen zurückkehren. «Während meines Aufenthalts habe ich in der Presse viel über meine angebliche Haft gelesen. Das ist komplett falsch und unbegründet», erklärte Hamdani.
Hamdani kritisiert Schweiz
Er sparte auch nicht mit Kritik an der Schweiz: «Die Schweizer Regierung hat mich durch den Aufenthalt in der Botschaft in eine Sackgasse geführt.» Das EDA wollte die Anschuldigungen nicht kommentieren.
In der Nacht auf Dienstag trat er schliesslich seine Ausreise aus Libyen im Beisein von Diplomaten aus der Schweiz, Österreich, Spanien und Deutschland vor dem Sitz des libyschen Aussenministeriums in einem Auto an. Er ist inzwischen in der Schweiz eingetroffen.
Ehefrau bittet um Ruhe
Hamdanis Ehefrau Bruna bat die Medien in einer Mitteilung um Verständnis, dass sie und ihr Mann nach der Rückkehr Ruhe und Geborgenheit suchten, um wieder zurück in den Alltag zu finden. Sie hoffe deshalb, dass ihre Privatsphäre respektiert bleibe.
Um ein Bild oder ein Zitat des Rückkehrenden zu erhaschen, hatten am Dienstag rund zwei dutzend Journalisten, Kameraleute und Fotografen den Flughafen Genf belagert.
Göldi in «Vorzeigegefängnis»
Wohin die libyschen Sicherheitsbehörden Max Göldi am Montag gebracht hatten, war bisher nicht klar. Am Dienstagmittag bestätigte die Menschenrechts-Organisation Amnesty International gegenüber Schweizer Radio DRS, dass er sich im Gefängnis al-Jeida in der Nähe von Tripolis befindet.
Al-Jeida sei «für libysche Verhältnisse eher ein Vorzeigegefängnis», sagte Amnesty-Sprecher Daniel Graf. Eine ihrer Delegationen hätte bei einem Besuch im Mai 2009 festgestellt, dass die dortigen Haftbedingungen korrekt seien.
EDA-Vertreter hat Göldi besucht
Das Aussendepartement (EDA) bestätigte die Aussagen von Amnesty. Am Nachmittag habe einer seiner Vertreter Göldi besucht. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut und seine Haftbedingungen seien korrekt. Die Schweizer Botschaft in Tripolis und diplomatische Vertreter der EU hielten den Kontakt zu ihm aufrecht.
Das EDA zeigte sich erfreut über die Ausreise von Hamdani. Nun stünde aber sichere Rückkehr von Göldi im Zentrum ihrer Bemühungen. Zugleich wies das EDA auf die seit mehreren Wochen laufenden Verhandlungen auf trilateraler Ebene hin. Vergangene Woche seien Gespräche in Madrid und Berlin geführt worden.
Göldi war am Montag in Handschellen aus der Schweizer Botschaft in Tripolis abgeführt worden. Er soll eine viermonatige Gefängnisstrafe wegen Visa-Vergehen absitzen.
Göldis Familie zuversichtlich
Die Familie von Max Göldi ist laut einer Medienmitteilung sehr erfreut darüber, dass Rachid Hamdani Libyen verlassen konnte. Gleichzeitig sei die Familie aber «betrübt und betroffen, dass Max noch nicht in seine Heimat zurückkehren konnte».
«Wir sind voller Zuversicht, dass in Kürze eine Lösung gefunden wird, die auch ihm eine Heimkehr zu seiner Familie ermöglicht», heisst es in der Mitteilung weiter.
Libyen zufrieden
Tripolis zeigte sich zufrieden, dass die Schweiz die Forderung erhört habe und Göldi nun in libyschem Gewahrsam sei. Indem er sich der Polizei gestellt habe, könne er nun vor dem Obergericht Rekurs einlegen, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Jana Aussenminister Moussa Koussa. (nab/haem/cdm, sda/ddp)
Mehr zum Stichwort:
