Gedichte von Burkart, Balàka und Politicky
Hier können Sie die besprochenen Gedichte nachlesen.
Gedichte von Erika Burkart
Erschienen im Band «Geheimbrief. Gedichte». Amman Verlag, 2009.
| VERBORGENHEIT Wir, die trüben Gäste der Erde, die wir verbrauchen, die uns verbraucht. Zu einer schwarzen Beere ist mein Leben geschrumpft, ist bitter, hält sich verborgen, hoffend, der Dunkle Vogel finde sie nicht. |
DER TRAUM VOM LEBEN In die späten, die kurzen, immer kürzeren Jahre kommen, da Gott sich zerstreut in seine Dämonen, du kleben bleibst am Gedanken, daß praktisch alles, womit du so lebst, Morgenbäume, geliebte Menschen, Bücher und Abendfenster, untergeht, erwachst du im tieferen Schlaf aus dem Traum vom Leben. |
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DIE FRÜHEN KNOSPEN |
VOGEL. EIN DANK |
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ALT |
BIRKE IM MONDSCHNEE |
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DAS GEDICHT |
Gedichte von Bettina Balàka
Erschienen im Band «Schaumschluchten». Literaturverlag Droschl, 2009.
| DAS LEBEN SOLLTE MIR nun auch mal was zu beflügeln geben immer nur stutzen stutzen das ist doch kein Zustand die Herdnischen wischen die Höhenflüge heimhalten im Rohbau einen Brei nach dem andern erfinden und dabei bereit sein seit siebzehn Jahren für eine Entführung um acht |
AUSGEBRANNT ein zerrissenes Haus zerrissene Bücher und da stehen noch Wände zerborstene Scheiben eine Schlacke von Zeitungsartikeln und Milben und Blut und dahinter steht garantiert ein blühender Kirschbaum dem es egal ist wie viele Bomben vor einer Woche noch trafen wieviel Geschrei wieviel Wassernot wie viele Kinder greis wurden über Nacht und dahinter gleißt garantiert eine Himmelsfärbung die das Auge süß nimmt schmelzende Röte und ein kirschgrüner Horizont aber was ist wahr die Gebeinsasche? das mittsommernächtliche Fest? |
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ICH HÄNGE AN EINEM |
ICH BLICKE ZURÜCK AUF DAS SCHLACHTFELD |
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ALS WÄRE ICH VON DIR ABGESCHNITTEN |
HOCH OBEN |
Gedichte von Matthias Politicky.
Aus dem Band «Die Sekunden danach. 88 Gedichte». Hoffmann und Campe, 2009.
| Das Unglück Wenn es dann schließlich eintritt, ist ja alles schon tausendmal durchdacht und längst besprochen, hast du dich schon so oft mit deiner Angst verkrochen und alles durchgerechnet für den Fall des Falles, daß nun, wo's wirklich ernst wird, nicht einmal ein Pochen im Hals dir zeigt, wie es mit Urgewalt dich überkommt. Mit einem Herz aus Glas, ganz kalt, tust du und läßt, was du dereinst versprochen, und lebst ansonsten einfach weiter. Erst nach Wochen fällt dir ein Wimmern auf, wie es ununterbrochen ans Ohr dir dringt. Doch nebenan der Raum ist leer, und wie du schließlich merkst, du selber bist es, der ganz leis' zu hören ist, da wird dir jählings schwer ums Herz, und erst in diesem Augenblick ist es gebrochen. |
Ode an das Müsli Schnellkursus Werbelyrik Unmöglich, ein Gedicht über Müsli zu schreiben, über den kroßgebacknen Knusperspaß aus Vollkornglück, erst recht über das, was neben Honig, Meersalz, Sonnenblumenöl, Rohrzucker, Reis-Crispies, Palmfett und Weizensirup noch alles, zwecks Verfeinerung, hinzuzugeben wäre: Geraspelte Osterhasen (können Spuren von Alupapier enthalten), geschredderte Haselsträucher (können Spuren von Nüssen enthalten), Kokosopiat oder Kirschblütenlakritz, Katzenzungen oder Schweinsohren, vor allem: schwarze und rote Problembeeren oder Melonensashimi mit Origami oder – Unglaublich, wenn sich das alles, mit der Kraft und der Keuschheit kalter Milch vermischt, am Gaumen präsentiert, wenn Duft von feinen Sommerwiesen in samtigen Aromen explodiert, frisch und charmant beide Backen befüllt, um im Abgang mit eleganter süßsaurer Länge zu schließen : ein Gedicht über Müsli zu schreiben, unmöglich. Entweder man schmeckt es, oder man schmeckt es eben nicht. |
| Zehn Jahre später Aber sie sind doch so schön warm! bestrahlt dich dann deine Frau wenn du sie das erste Mal in einem Paar wuschelwuselig grau puschelpusselig sau- mäßig kuschelmuschel-helau! dir entgegenschlappender Haflinger- Filzpantoffeln erleben darfst nach zehn Jahren Ehe hundert Jahren Gemeinsamkeit und unzählbaren Stiefel- Sandaletten und Stöckelschuhschritten durch ebenjenen Flur in dem du dann stehst mit kalten Füßen und nicht weiterweißt |
Auch das noch (I) Nichts unbefriedigender als – sagen wir dienstags um sieben – nach einem sonndurchglühten Tag inmitten glimmernder Großstadtlandschaft (aus jedem zweiten Fenster die Musik des Feierabends, auf dem Gehsteig allerorten gedeckt ein Tisch, von dem es pausenlos Geklirr, Gebrabbel, Lachen hoch in deine Stube trägt) nichts unbefriedigender als an einem solchen Tag geschloßnen Auges auf all das hinauszulauschen, zu dem man jedenfalls für heute abend nicht gehört, und dann klingelt mit einem Mal das Telephon auf der gegenüberliegenden Straßenseite, und es hebt noch nicht mal einer ab. |
einflüsterungdesinkubusaneinemfreitagabendaufderausgehmeile
Mit Zwischenfrage meines Sohnes
ogottogottdasisthierjaderhelle
dasdarfdochgarnichtwahralsobhiereinequelle
istjaschiernichtdasgrenztjaschonanskriminelle
ichglaubmichtrittdasallesistinemeinzgenleben
verfluchterscheißjawirklichsehr
Du meinst, es sollte dein und mein Bestreben -?
meinsohnwennwirnichthierundjetztundaufderstelle
dannbrauchenwirauchnieundnimmermehr
