Kontroverses Gastland: China an der Buchmesse
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Der Ehrengast China präsentiert sich in Frankfurt mit einer eigens für den Auftritt konzipierten Ausstellungshalle. Zudem ist auf dem Freigelände zwischen den Hallen ein 500 m² grosses Zelt eingerichtet: Hier sollen Besucher Einblicke in verschiedene kulturelle Errungenschaften Chinas erhalten.
Papierschnitte, Thangka-Malereien oder Schatten- und Puppenspiele werden hier ebenso gezeigt wie Bücher und Kunstgegenstände aus verschiedenen Epochen. Eröffnet wird die Präsentation mit einer Darbietung der Chinesischen Nationaloper Peking.
Begleitet wird das Messe-Programm von einem Kulturprogramm in der Stadt. Rund 240 Organisationen beteiligen sich mit mehr als 450 Veranstaltungen zum Gastland - von Konzerten über Tanzperformances, Filmvorführungen und Kunstausstellungen.
Kontroverse um Zensur
Bereits vor der Eröffnung wird die Messe von Spannungen überschattet. Die Befürchtungen, das Gastland werde seinen Auftritt zu einer propagandistischen Selbstdarstellung nutzen, scheint sich zu bewahrheiten: Das offizielle China versucht, Dissidenten und regimekritischen Schriftsteller von Frankfurt fernzuhalten.
Die jüngsten Vorkommnisse:
| 9. September 2009 | Der in Boston lebende Exilautor Bei Ling und die regierungskritische Autorin und Umweltschützerin Dai Qing sollten am Symposium zum Thema «China und die Welt - Wahrnehmung und Wirklichkeit» teilnehmen. Auf Druck chinesischer Funktionäre lädt die Buchmesse die beiden Regimekritiker kurzfristig aus. Die Presse wirft der Buchmesse «Selbstzensur» vor. |
| 10. September 2009 |
Die beiden ausgeladenen Autoren entscheiden sich, trotzdem am Frankfurter Symposium teilzunehmen. |
| 12. September 2009 | Die offizielle chinesische Delegation verlässt den Raum, als Bei Ling und Dai Qing am Symposium ein Statement abgeben wollen. Nach einer öffentlichen Entschuldigung von Messe-Direktor Juergen Boos bei den Chinesen wird die Tagung fortgesetzt. |
| 24. September 2009 | Der regimekritische Schriftsteller Liao Yiwu darf nicht an der Buchmesse teilnehmen - die chinesischen Behörden haben ihm die Ausreise nach Deutschland untersagt. |
| 6. Oktober 2009 | Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei sagt seine Teilnahme an der Buchmesse ab. Offizieller Absagegrund sind die Folgen einer Gehirnblutung, die Weiwei zufolge auf Prügel chinesischer Polizisten zurückgehen. Ob der Künstler von offizieller chinesischer Seite zur Absage gedrängt wurde, ist ungewiss. |
Um die Zensur zu umgehen, haben sich bereits Kontrastprogramme entwickelt: So wird der deutsche PEN während der Messe täglich von 11 bis 12 Uhr eine «chinesische Stunde» abhalten, in der die Stimmen der Unterdrückten zu hören sind. Und die Gesellschaft für bedrohte Völker will Rebiya Kadeer, die Präsidentin des Weltkongresses der Uiguren, als Rednerin aufbieten.
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