Harte Rückschläge für Airbus-Mutter
179 dieser Tankflugzeuge hätten EADS und Northrop Grumman an die US-Luftwaffe verkaufen wollen. (Keystone, Computergrafik)
Die Airbus-Mutter EADS hat im US-Rüstungsmarkt einen schweren Rückschlag erlitten. Das US-Unternehmen Northrop Grumman, das zusammen mit EADS um einen 35-Milliarden-Dollar-Auftrag für das Pentagon gekämpft hatte, zog seine Bewerbung für die 179 Tankflugzeuge zurück.
Kritik an Bedingungen des Wettbewerbs
Grund seien unfaire Wettbewerbsbedingungen, erklärten beide Unternehmen. Allein werde EADS sich nicht bewerben, erklärte Konzernchef Louis Gallois in Paris. Damit ist der Weg frei für Boeing, der US-Luftwaffe zunächst 179 Tankflugzeuge zu liefern.
Wegen US-Debakel in rote Zahlen gerutscht
Kurz darauf meldete der europäische Rüstungs- und Luftfahrtkonzern rote Zahlen für 2009 und strich die Dividende. Wegen der Probleme mit dem Militärtransporter A400M schrieb EADS im letzten Quartal einen Verlust von rund 1 Milliarden Euro - im Vorjahr hatte er im selben Zeitraum noch 490 Millionen Euro Gewinn gemacht.
760 Millionen Euro Verlust
Für das gesamte Jahr 2009 schrieb EADS ein Minus von 763 Millionen Euro, verglichen mit einem Gewinn von 1,57 Milliarden Euro im Jahr 2008, wie der Konzern am Dienstag bekanntgab.
Verzögerungen kosten 1,6 Milliarden
Allein die Verzögerungen beim Bau des Militärtransporters A400M kosteten den Konzern im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben 1,6 Milliarden Euro. Auch für das Passagierflugzeug A380 ergaben sich unerwartete Belastungen in Höhe von 240 Millionen Euro.
Massive Kostenüberschreitungen
Der Militärtransporter A400M droht mindestens 5,2 Milliarden Euro teurer zu werden als geplant. Erst am vergangenen Freitag einigte sich EADS mit den sieben Bestellerländern auf eine Aufteilung der Zusatzkosten.
Staaten unterstützen EADS
Die Regierungen von Deutschland, Belgien, Grossbritannien, Frankreich, Luxemburg, Spanien und der Türkei übernehmen davon allerdings nur zwei Milliarden Euro, zusätzlich greifen sie EADS mit Exportkrediten in Höhe von 1,5 Milliarden Euro unter die Arme.
Hoffnung auf bis zu 300 neue Aufträge
Airbus hofft in diesem Jahr auf 250 bis 300 neue Bestellungen. EADS rechnet damit, dass der Konzern im laufenden Jahr wieder Gewinne macht und ein Gesamtergebnis von einer Milliarde Euro vor Steuern erzielt.
Washington reagiert enttäuscht
Nach dem Rückzug von EADS und seinem Partner Northrop Grumman aus dem Bieterrennen um den Auftrag der US-Luftwaffe zeigte sich das Pentagon «enttäuscht». Zugleich wies das Verteidigungsministerium den Vorwurf unfairer Wettbewerbsbedingungen zugunsten des amerikanischen Konkurrenten Boeing zurück.
US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte 2009 erklärt, er könne auch nur mit einem Boeing-Angebot leben.
Unklare Ausschreibungsbedingungen
Schon vor drei Monaten hatte Northrop Grumman gedroht, das Handtuch zu werfen, weil mit gezinkten Karten gespielt werde. So hatte Boeing Einsicht in das Airbus-Preisangebot erhalten und konnte sein Angebot darauf abstimmen.
Northrop Grumman hatte den Tanker-Auftrag 2008 bereits gewonnen, auf Protest von Boeing wurde er ihm aber wieder aberkannt.
Washington braucht neue Tankflugzeuge
Die US-Luftwaffe muss 534 Tank- und Frachtflugzeuge ersetzen. Das verspricht langfristig ein Geschäft von 100 Milliarden Dollar. Im ersten Los geht es um 68 Tankflugzeuge für zwölf Milliarden Dollar und undatierte Folgeaufträge für 111 weitere Maschinen - insgesamt um 179 Tankflugzeuge. (nab/bat, dpa/reuters/ap/sda)
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