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Mittwoch, 27.4.2011

Hacker stehlen Daten von 77 Millionen Sony-Kunden

Hacker haben persönliche Daten von Sony-Kunden gestohlen. Betroffen sind über 77 Millionen Nutzer des Play Station-Netzwerks. Möglicherweise wurden auch Kreditkartendaten ausspioniert.

Spielen mit der Playstation. (Keystone)

Name, Alter, Wohnort, womöglich auch die Nummer der Kreditkarte: Hacker haben bei Sony Informationen von mehr als 70 Millionen Nutzern gestohlen. Betroffen sind das Play Station Network für Konsolenspieler sowie der Musik- und Videoservice Qriocity.

Einer der grössten Datendiebstähle überhaupt

Der Konzern warnte vor dem Missbrauch der Daten. Das Unternehmen hat die Dienste nach dem Hackerangriff vor einer Woche abgeschaltet. Bis sie wieder online sind, kann es dauern. Der Fall könnte einer der grössten Datendiebstähle der Geschichte werden.

Bei Play Station Network und Qriocity sind weltweit 77 Millionen Nutzerkonten registriert. Über das Play Station-Netzwerk können Nutzer miteinander spielen, chatten und Filme ansehen. Immer mehr Spiele für die Konsole PlayStation 3 und auch die mobile Plattform PlayStation Portable haben inzwischen Online-Komponenten. Unter dem Namen Qriocity vertreibt der Konzern Musik und Videos.

Unbekannter spähte Daten aus
Sony informierte die Nutzer am späten Dienstag in Firmenblogs und verschickte eine E-Mail an die Betroffenen. Eine unbekannte Person habe sich Zugang zu persönlichen Daten wie Name, Adresse, E-Mail oder Geburtsdatum verschafft, hiess es in der Mitteilung.

Auch Logins und Passwörter seien ausgespäht worden, möglicherweise auch die Liste der Käufe. Sony-Sprecher Guido Alt bezeichnete den Diebstahl gegenüber der Nachrichtenagentur dpa als «gezielten Angriff von aussen» mit einer «kriminellen Dimension».

Derzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass Kreditkartendaten gestohlen worden seien. In der entsprechenden Datenbank habe man keine Zugriffspuren festgestellt. Da man einen Diebstahl aber nicht ausschliessen könne, habe man die Nutzer vorsorglich gewarnt.

Möglicherweise ein Racheakt
Die Hacker waren vom 17. bis am 19. April in die Datenbanken eingedrungen. Daraufhin schaltete Sony die Systeme vollständig ab: «Das ist zwar ein radikaler Schritt, aber so haben wir sichergestellt, dass niemand mehr auf die Daten zugreifen kann.»

Zudem schliesse Sony nicht nur Lücken, sondern baue «eine komplett neue Sicherheitsstruktur», sagte Alt weiter. Das koste Zeit. Wer hinter der folgenschweren Attacke stand, blieb unklar.

Möglicherweise war der Angriff ein Racheakt, nachdem Sony einen Playstation-Hacker verklagt hatte. Der junge Mann, der schon Apples iPhone gehackt hatte, knackte den Schutzmechanismus der Konsole, so dass auf ihr kopierte und selbst gemachte Spiele laufen konnten. Die Anleitung dazu veröffentlichte er im Internet.

Neuerliche Schmach für Sony
Nach der Klage einigten sich der Konzern und der Hacker aussergerichtlich. Letzerer musste versprechen, die Knack-Software nicht mehr zu vertreiben und schrieb daraufhin in einem Blog, er schliesse sich einem Boykott von Sony-Produkten an.

Sonys High-Tech-Konsole galt als besonders gut geschützt. Für den Konzern ist der neuerliche Hacker-Angriff eine Schmach. Obwohl der Hardware- und Software-Umsatz mit Video-Spielen zuletzt weltweit zurückgegangen ist, bleibt die Play Station ein wichtiger Gewinnbringer und eines der prestigeträchtigsten Produkte von Sony. (pet, sda/dpa/Reuters)

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