So wurde der Tunnel gebaut
Rund drei Viertel der Tunnelstrecke in den beiden 57 Kilometer langen Basis-Röhren wurden mit Tunnelbohrmaschinen (TBM) ausgebrochen. Das sind riesige, alles in allem rund 400 Meter lange Maschinen, mit einem Durchmesser von rund neun Metern, die sich mit einem Vortrieb von bis zu 38 Meter pro Tag in den Berg fräsen.
Je nach Beschaffenheit des Gesteins kann sich diese Geschwindigkeit allerdings auf wenige Meter pro Tag massiv verkleinern. Die Fräsgeschwindigkeit wird wesentlich vom Sicherungsaufwand bestimmt, der direkt hinter dem Bohrkopf betrieben werden muss. Je instabiler das Gestein, desto aufwendiger die Sicherung, etwa mittels Metallbögen oder Beton-Armierungen.
Vier Tunnelbohrmaschinen
Bei den zwei Röhren des Gotthard-Basistunnels frassen sich, vereinfacht gesagt, jeweils von Norden (Erstfeld) und Süden her (Bodio) je eine TBM durchs Gestein aufeinander zu. Insgesamt waren also vier TBM im Einsatz.
Dazwischen - bei Amsteg, Sedrun und Faido - wurden sogenannte Zwischenangriffe lanciert: Mittels Zugangsstollen (in Amsteg und Faido) respektive mit Hilfe eines 800 Meter tiefen Schachts von oben (bei Sedrun) wurde das Innere des Berges für die anrückenden TBM vorbereitet. Alles in allem wurde so permanent in fünf Bauabschnitten gearbeitet.
Karte: Die fünf Bauabschnitte des Gotthard-Basistunnels
Kavernen 800 Meter unter der Oberfläche in den Berg gesprengt
Bei Sedrun und Faido sprengten die Mineure jene Kavernen in den Berg, die dereinst die Multifunktionsstellen mit Notbahnhöfen bilden. In Sedrun trieben die Mineure die beiden Basis-Röhren zudem in beiden Richtungen mittels Sprengtechnik voran, da das dortige Gestein nicht für die TBM geeignet war.
TBM im Berg zusammengesetzt
In Amsteg wurden zwei Kavernen ausgebrochen, um die TBM im Berg zusammenzusetzen und Richtung Süden in Betrieb zu nehmen. Einfacher wäre es zwar gewesen, die TBM direkt vom Nordportal bei Erstfeld aus in Richtung Süden zu starten. Die Geologie bei Erstfeld verlangte aber, dass das erste Teilstück in einer offenen Baugrube erstellt werden musste, die danach wieder zugeschüttet wird. Erst nach Fertigstellung dieses Teilstücks kam die TBM Richtung Amsteg zum Einsatz.
Es bot sich also an, während bei Erstfeld im Tagbau der Zugang zum Berg vorbereitet wurde, schon einmal bei Amsteg mit der TBM den Tunnelvortrieb zu beginnen. Kommt dazu, dass sich der Baubeginn in Erstfeld wegen Einsprachen gegen die Bauvergabe wesentlich verzögerte.
Dank dem System mit den Zwischenangriffen - dass also wesentliche und arbeitsintensive Vorarbeiten bereits getätigt wurden, bevor die TBM von Norden und Süden her am betreffenden Ort eingetroffen war - konnte die gesamte Bauzeit für den Gotthard-Basistunnel praktisch halbiert werden. (pet)
