«Bob Dylan und ich sind uns ähnlich»
Der junge Bob Dylan mit Joan Baez. (key)
«Dylan, ein meisterhafter Geschichtenerzähler»
Für den Berner Musiker und Texter Tinu Heiniger ist klar: «Bob Dylan ist ein Meister darin, Geschichten zu erzählen. Er hat sich sein Leben lang weiter entwickelt. Hört euch doch mal an, wie ‹Mr.Tambourine Man› vor 40 Jahren getönt hat und wie der Song jetzt tönt, wenn er vom 70-jährigen Dylan gesungen wird! Der Mann versteckt nichts.»
Nasale Parallelen
Toni Vescoli ist ein Dylan-Hörer der ersten Stunde. Seit Mitte der 1960er Jahre ist er von Bob Dylan fasziniert. Er sieht auch Parallelen zu sich selbst: nasale Stimme bei Dylan, Nasenscheidenwandverkrümmung bei Vescoli. 1998 spielte Toni Vescoli beim Festival Out in the Green in Frauenfeld im Vorprogramm von Bob Dylan. Vescoli stellte sich vor und bat Dylan um ein Autogramm. Als sich ein Bodyguard dazwischendrängt, erkundigt sich Dylan plötzlich nach den Coversongs auf Schweizerdeutsch und kritzelt gerne ein Autogramm. Vescoli: «Ich hätte gerne noch länger mit ihm über Gott und die Welt geplaudert.»
Hank Shizzoe: «Der alte Dylan ist der beste»
Als Gitarrist hat Hank Shizzoe stets auch auf die Gitarristen in Dylans Bands geachtet. Und er attestiert «Herr Dylan», ein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Gitarristen zu haben. «Darüber hinaus versteht er es meisterhaft, Text und Musik zu verschränken. Und Bob Dylan wird immer besser. Die letzten zehn Jahre hat er grandiose Alben veröffentlich. Einzig der Besuch eines Live-Auftritts ist bei ihm ein gewisses Risiko. Man weiss nie, wie er aufgelegt ist.»
Dylan = zeitlos
Einzelne Phasen von Dylans Schaffen haben den Berner Songwriter Trummer sehr inspiriert. «Mein Lieblings-Dylan ist der Bob Dylan der 1970er Jahre, als er noch mehr auf Folk und eine Spur weniger auf Blues setzte. Die grosse Qualität Bob Dylans ist es, ein zeitloses Werk geschaffen zu haben, in dem man sich verlieren kann.»
Dylans Gespür für Gspüri-Songs
Moondog Show-Frontmann Pink Pedrazzi gesteht, dass er ein Live-Konzert von Bob Dylan in Basel auch schon Hals über Kopf verlassen hat, unter anderem des lausigen Sounds wegen. Wenn aber die Soundqualität stimmt, attestiert Pedrazzi Bob Dylan ein gigantisches Gespür für Song, die einen berühren.
Dylan hören und lernen
Der Basler Tobias Hügin von 4th Time Around sagt: «Bob Dylan hören heisst, von Bob Dylan lernen. Nämlich: Wie wichtig es ist, dass ein guter Song einfach ist. Stimme und akustische Gitarre, fertig.»
«Die Mehrheit kennt wohl Dylan-Covers»
Reto Burrell vermutet, dass das dem Mainstream zugewandte Publikum wohl mehr Dylan Coverversionen als Orginale kennt. Für Reto Burrell steht fest: «Es sind einfach grandiose Melodien. Und was seit Bob Dylan allen klar sein sollte: eine charakteristische Stimme mit einer Botschaft ist unendlich interessanter als einfach nur eine schöne Stimme.»
Adrian Weyermann und Dylans Attitüde
Adrian Weyermann hat sich von Bob Dylan die Unerschrockenheit und die stoische Ruhe abgeschaut. «Seit jeher haben mich die Texte von Bob Dylan fasziniert.» Auch wenn Adrian Weyermann das Gefühl hat, dass in letzter Zeit die Spannkraft von Dylan nachgelassen hat, ist für ihn bei jedem neuen Dylan Album auch ohne Höreindruck klar: die muss man haben.
Jolly And The Flytrap und die Pfadfinder
El Ritschi von Jolly And The Flytrap findet besonderes Vergnügen daran, selbst Bob Dylan Songs zu spielen. «Mit Bob Dylan habe ich quasi das Gitarrenspielen gelernt.» Als junger Pfadfinder sang er einst die Dylan Klassiker zunächst in der Pfadi und entdeckte erst später, was für grosse Songs in der Orginalversion dahinter stecken. «Auch wenn Bob Dylan nicht singen kann.»
BAP-Sänger Wolfgang Niedecken und seine Dylan-CD «Leopardefell»
BAP-Sänger Wolfgang Niedecken hat Dylan-Songs auf Kölsch, dem Kölner Dialekt, vertont. «Leopardefell» heisst das Album. Bis das Album im CD-Player von Bob Dylan landete, brauchte es Bruce Springsteen als Bote. Bob Dylan getroffen hat Wolfgang Niedecken schliesslich in Köln. Regisseur Wim Wenders, selber ein Kumpel von Bob Dylan, hat Wolfgang Niedecken nach einem Dylan-Konzert vorgestellt. «Es war toll. Small-Talk vom feinsten.» Bei einem späteren Treffen bringt Niedecken Dylan eine Gitarre. «Bob Dylan hat sich darüber gefreut wie ein Kind über eine Modelleisenbahn!» (ra.)
Niedecken zum BAP-Album LeopardefellWie das Album zu Bob Dylan kamWie Wolfgang Niedecken Bob Dylan getroffen hat
