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Letztes Update: Donnerstag, 26.5.2011

Lob und Kritik für den Bundesrat

Jubel bei den einen, Enttäuschung bei den anderen: Die Reaktionen auf den Bundesratsentscheid für einen schrittweisen Ausstieg aus der Atomenergie fallen unterschiedlich aus  und entsprechen den bekannten Fronten.

Das Kernkraftwerk Beznau I und II mit den beiden Reaktorblöcken. (Keystone)

Bundesrätin Doris Leuthard

Ausgerechnet die Bundesrätin aus dem Kanton mit den meisten Atomkraftwerken verkündete am Mittwoch den Ausstieg aus der Atomenergie: Der Bundesrat will die bestehenden Atomkraftwerke nach ihrer Laufzeit nicht mehr ersetzen. Gast im Tagesgespräch ist die Schweizer Energieministerin, Bundesrätin Doris Leuthard.

Tagesgespräch vom Donnerstag, 26.5.2011, 13.00 Uhr, DRS 1 und DRS 4 News

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Der Entscheid für einen schrittweisen Atomausstieg stösst erwartungsgemäss auf ein gespaltenes Echo. Umweltverbände, SP, Grüne und andere AKW-Gegner jubeln, wenn teilweise auch verhalten. Einig sind sich diese Kreise darin: Endlich habe der Bundesrat die energiepolitischen Weichen in die richtige Richtung gestellt. «Das Atomzeitalter soll ein Ende finden», freut sich die Allianz Nein zu neuen AKW, welcher unter anderem die grossen Umweltverbände angehören.

Die Grünen und die SP kritisieren aber die langen Laufzeiten und fordern, vor allem das «gefährliche» AKW Mühleberg sei sofort ausser Betrieb zu stellen. Freude herrscht auch bei Swissolar, dem Fachverband der Solarbranche, sowie bei der A EE Agentur für Erneuerbare Energien und Energieeffizienz.

CVP dankt dem Bundesrat, Kantone wollen mitreden
Die CVP dankte dem Bundesrat für den «mutigen Entscheid» und lobte die eigene Bundesrätin Doris Leuthard. Dank ihr sei die Weichenstellung für die energiepolitische Zukunft der Schweiz  erfolgt.

Nicht zufrieden mit dem Bundesrat sind die SVP, economiesuisse, die Elektrizitätsunternehmen sowie die Aktion für eine vernünftige Energiepolitik (AVES). Auch der Vorstand der Konferenz der kantonalen Energiedirektoren hat Bedenken und macht sich Sorgen um die künftige Versorgungssicherheit. Als Miteigentümer von Kraftwerken wollen die Kantone in die Konkretisierung der neuen Strategie einbezogen werden.

Der Wirtschaftsdachverband economiesuisse bezeichnet den Bundesratsentscheid als unseriös, widersprüchlich und unverantwortlich. Auch der Verband der Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie Swissmem ist enttäuscht. Die AVES und der Verband der Elektrizitätsunternehmen (VSE) kritisieren den Regierungsbeschluss als wenig fundiert. «Das Kleingedruckte ist noch  nicht bekannt», schreibt der VSE.

Nachvollziehbarer Kompromiss
Der Schweizerische Gewerbeverband (sgv) sieht im Entscheid einen nachvollziehbaren Kompromiss. Zentral ist auch für den sgv, dass es zu keiner Stromlücke kommt. Die Frage der Stromproduktion stehe im Zusammenhang mit der gesamten Umwelt- und Energiepolitik. Das Thema müsse deshalb gesamtheitlich angegangen werden.

Für den Wirtschaftsverband swisscleantech eröffnen sich nun neue Chancen - unter anderem durch Investitionssicherheit. Die Glaubwürdigkeit der Schweiz «als internationale Cleantech- Vorreiterin» werde gestärkt.

Die SVP spricht ihrerseits von einer «überhasteten Kurzschlusshandlung» und ruft nach einem «plausiblen und glaubwürdigen Plan». Etwas dezidierter äussert sich die FDP. Sie begrüsst das Nein zum AKW-Ersatz mit der heutigen Reaktorgeneration. Die Türe für neue Technologien dürfe aber nicht endgültig geschlossen werden.

Auch die Stromkonzerne Axpo, BKW und Alpiq zeigen sich in ersten Stellungnahmen wenig erfreut über den Entscheid zum mittelfristigen Ausstieg. Axpo bedauert den «schnellen, unter hohem politischen Druck gefällten Beschluss».

Ball liegt nun beim Parlament
Sowohl Befürworter als auch Gegner des Bundesratsentscheids spielen den Ball nun dem Parlament zu. Während die Befürworter nun «Nägel mit Köpfen» erwarten, hoffen andere wie economiesuisse, das Parlament möge den «unverantwortlichen Beschluss» der Landesregierung korrigieren. (ank, sda)

 

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Die Wirtschaftsverbände sind sich uneins über die Bedeutung, die der Atomausstieg für die Zukunft hat. (Priscilla Imboden, 26.5.2011)
Hören (1:09)

Dossier: Der Einstieg in den Atomausstieg

Dossier: Mit alternativer Energie in die Zukunft

Dossier: Katastrophe in Japan


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