Nach dem Boom die Bereinigung in der Solarbranche
Solarmodul in Frankfurt an der Oder (Deutschland): Viele Unternehmen aus der Solarindustrie stecken derzeit in der Krise. (Keystone)
Von Wirtschaftsredaktorin Priscilla Imboden
Die Solarbranche in Europa und den USA wird derzeit von Konkursen und Personalabbau überrschattet. Solarzellen seien ein Massengeschäft geworden, sagt Matthias Fawer, Nachhaltigkeits-Analyst der Bank Sarasin. Die Konkurrenz sei hart.
Bereinigung des Marktes
«Die Chinesen haben enorme Produktionskapazitäten aufgebaut und können mit ihren Rahmenbedingungen - günstige Kredite, günstige Energie, günstige Arbeitskräfte - zu tiefen Kosten produzieren», so der Experte. Sie verdrängten so die etablierten europäischen Hersteller. Fawer sieht eine ähnliche Entwicklung, wie sie zuvor schon die Textil- und die Computerindustrie erlebt hat.
Nach der rasanten Entwicklung der letzten Jahre findet in der Solarwirtschaft eine Bereinigung statt. «Die Branche ist - zum Teil zumindest - Opfer ihres eigenen Erfolges», sagt Guntram Rehsche, Autor des vielbeachteten Blogs Solarmedia. Immer mehr herkömmliche herkömmliche, gut eingeführte Hochtechnologieunternehmen drängten in Bereiche der Solarmodul- und -zellproduktion. Entsprechend verstärke sich unter den Produzenten die Konkurrenz und die Kosten sänken. «Und entsprechend haben kleinere Anbieter grosse Probleme», so Rehsche.
Grosskonzerne steigen ein
Und nun steigen auch Grosskonzerne ins Geschäft ein - die US-amerikanische General Electric, die koreanische Samsung oder der französische Erdölmulti Total. Sie kaufen Firmen auf und verstärken den Druck die kleineren Unternehmungen, die die Industrie aufgebaut haben. Das hat auch sein Gutes: Die Preise sinken rasant. Erfreulich findet das Thomas Nordmann, der als Unternehmer die Solarbranche seit der ersten Stunde verfolgt. «Wir können damit den Solarboom schneller auslösen, weil er auch ökonomisch sehr viel interessanter geworden ist.»
Doch werden auch Firmen in Europa an diesem Boom teilhaben? Die befragten Experten meinen: ja. Die Schweizer Solarindustrie erwirtschafte mittlerweile einen Umsatz von fast zwei Milliarden Franken, so Unternehmer Nordmann. Die Firmen, allen voran Meyer Burger und Oerlikon Solar, verkauften die Maschinen zur Herstellung von Solaranlagen. Und genau dort liege die Stärke der Schweiz.
Der Konkurrenz voraus sein
Nordmann ist überzeugt, dass die hiesigen Unternehmen auch weiterhin ihren Platz im Markt behaupten können. Die Montage und Projektentwicklung und wohl auch die Fertigung der Inverter - jener Geräte also, die Gleichspannung in Wechselspannung umrichten - all dies wird nach Nordmanns Einschätzung auch weiterhin in der Schweiz oder in Europa angesiedelt sein.
Nach Einschätzung der Experten müssen die europäischen Solarunternehmer nun weiter denken, um in Zukunft der Konkurrenz voraus zu sein. Sie müssten nun Wege finden, den Strom zu steuern und zu speichern, meint Matthias Fawer von der Bank Sarasin. Die Nische der Europäer könnte etwa in der Entwicklung intelligenter Stromversorgungssysteme auf der Basis von Solarenergie liegen.
Ein Fünftel der Energie von der Sonne?
Dass die Energie aus der Sonne eine grosse Zukunft hat, darin sind sich mittlerweile Wirtschaft, Forschung und Politik einig - auch in der Schweiz. So gehen die Prognosen des Fachverbandes Swissolar, des Bundesamtes für Energie und der ETH davon aus, dass mittelfristig rund ein Fünftel des Stromes von der Sonne kommen wird. Heute sind es nur 0,15 Prozent.
Uneins ist man aber in der Frage, wann es soweit sein wird - bereits in einem guten Jahrzehnt oder erst 2050. Die rasante Entwicklung in der Branche nährt die Hoffnung, dass das solare Zeitalter eher früher als später beginnt. (ank)
