Entsetzen über mutmassliche Leichenschändung
Eine mutmassliche Schändung getöteter Taliban-Kämpfer durch US-Soldaten in Afghanistan sorgt international für Empörung und belastet die amerikanisch-afghanischen Beziehungen. Auf einem im Internet kursierenden Video, dessen Echtheit noch überprüft wird, urinieren angeblich US-Soldaten auf getötete Aufständische.
Der afghanische Präsident Hamid Karsai forderte die USA dazu auf, die Täter so schwer wie möglich zu bestrafen. «Diese Tat amerikanischer Soldaten ist zutiefst unmenschlich», hiess es in einer Mitteilung Karsais. Erst im vergangenen März hatten amerikanische Soldaten in Afghanistan mit Leichen ihrer Opfer für Fotos posiert.
Pentagon ordnet Untersuchung an
US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteilte die im Film gezeigte Leichenschändung auf das Schärfste. «Dieses Verhalten ist für Angehörige des US-Militärs absolut unangemessen und spiegelt nicht den Standard oder die Werte, für die unsere Streitkräfte eintreten», sagte Panetta nach einem Bericht der «New York Times». Die Beteiligten würden dafür «im vollen Ausmass» zur Verantwortung gezogen. Panatta wies eine umfassende Untersuchung des Vorfalls an.
Auch die Nato-geführte Isaf verurteilte die mutmassliche Schändung getöteter Taliban-Kämpfer. «Diese respektlose Tat ist unerklärlich und nicht in Übereinstimmung mit den hohen moralischen Massstäben, die wir von Koalitionstruppen erwarten», teilte die Internationale Schutztruppe Isaf mit. Die in dem Video gezeigten Taten «scheinen von einer kleinen Gruppe amerikanischer Individuen ausgeführt worden zu sein, die anscheinend nicht mehr in Afghanistan dienen».
39 erschütternde Sekunden
Das nur 39 Sekunden lange Video ist seit Mittwoch im Umlauf. Auf ihm sind vier mutmassliche Marineinfanteristen in Kampfanzügen zu sehen, die über den Körpern von drei Männern lachend ihre Notdurft verrichten. Die geschändeten Leichen tragen für Afghanistan landestypische Kleidung. Eine Video-Unterschrift beschreibt die Urinierenden als US-Scharfschützen und die Toten als Taliban.
Die Taliban reagierten empört. «Das ist eine unmenschliche, unmoralische und brutale Tat der Invasoren», sagte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid der Nachrichtenagentur dpa. Der Vorfall werde dazu beitragen, «dass die Amerikaner und ihre Alliierten ein kurzes Leben in Afghanistan haben». Seit zehn Jahren würden die ausländischen Truppen solche Straftaten im Land verüben.
Mudschahid sagte weiter, das Video werde keine Auswirkungen auf die Pläne der Taliban haben, ein Büro im Golf-Emirat Katar zu eröffnen. Er betonte aber erneut, die Eröffnung des Büros bedeute nicht, dass es Friedensverhandlungen gebe.
Schwierige Friedensgespräche
Nach einem mehr als zehnjährigen Krieg versuchen die USA und die afghanische Regierung, mit den Taliban Frieden zu schliessen. So wollen die Taliban im Golfstaat Katar ein Verbindungsbüro eröffnen. Die Taliban haben allerdings klargestellt, dass eine Teilnahme an Friedensgesprächen nicht das Ende des bewaffneten Kampfes bedeute.
Die Nato will ihren Kampfeinsatz in Afghanistan 2014 beenden. Die afghanische Regierung und westliche Staaten bemühen sich seit einiger Zeit um Verhandlungen mit den Aufständischen. Ein Durchbruch ist bislang ausgeblieben. Selbst nach Eröffnung eines Taliban-Büros in Katar wären auf dem Weg zu möglichen Friedensgesprächen noch zahlreiche Hürden zu meistern. (ank, dpa)
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