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Hintergrund: Was, wenn Griechenland Pleite geht?

Die Lage ist brisant: Kommt das zweite Rettungspaket für Griechenland nicht, droht rasch die ungeordnete Insolvenz. Was aber bedeutet das?
CDS: Hochpotente Gefahr für das Finanzsystem

In der realen Welt käme es niemandem in den Sinn, eine Autoversicherung auf seinen Nachbarn oder eine Wette auf einen baldigen Unfall abzuschliessen. In der Finanzwelt dagegen ist das gang und gäbe.   Mehr

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Angenommen, jemand hat Schulden in Höhe von 100 Franken. Steht diese Person vor der Pleite, kann sie das Geld nicht komplett zurückzahlen und bietet stattdessen beispielsweise 50 Franken an. Wenn sich der Kreditgeber damit zufrieden gibt, spricht man im Allgemeinen von einem geordneten Zahlungsausfall. Verweigert der Schuldner aber die Rückzahlung oder bleibt keine Zeit mehr für eine Einigung, handelt es sich um eine - im Falle Griechenlands gefürchtete - ungeordnete Insolvenz.

Was ist daran so schlimm?
Anders als für Unternehmen und Privatpersonen gibt es für Staaten kein festgelegtes Verfahren für eine Abwicklung. Wenn Griechenland seine Schulden nicht mehr bedienen kann, könnte kein Insolvenzverwalter das Staatsvermögen unter den Gläubigern aufteilen. In der Regel verhandeln Staaten in solchen Fällen zwar, da sie sich früher oder später wieder über Anleihen an den Kapitalmärkten finanzieren müssen und das Vertrauen der Investoren deshalb nicht endgültig verspielen dürfen.

Warum ist die Situation in Griechenland so prekär?
Etliche Gläubiger Griechenlands könnten einen radikalen Schuldenschnitt nicht verkraften. Dabei handelt es sich vor allem um Banken, von denen viele ohnehin eine zu dünne Eigenkapitaldecke haben. Selbst der auf dem jüngsten EU-Gipfel vereinbarte, freiwillige Schuldenschnitt in Höhe von 50 Prozent könnte einige Institute in Schieflage bringen. Würde der Zahlungsausfall drastischer ausfallen und abrupt kommen, wäre die Finanzbranche darauf nicht vorbereitet. Experten fürchten einen Flächenbrand ähnlich wie nach dem Crash der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008. Es gibt jedoch noch weitere Schreckensszenarien, die im Fall einer unkontrollierten Pleite eintreten könnten.

Welche Rolle spielen Kreditausfallversicherungen?
Die sogenannten «Credit Default Swaps» (CDS) sind im griechischen Schuldendrama die grosse Unbekannte. CDS sind Versicherungen, mit denen sich Investoren gegen den Ausfall von Anleihen schützen können. Das Problem: Der CDS-Markt ist weitgehend unreguliert - viele Investoren nutzen CDS nicht nur zur Absicherung, sondern auch für Spekulationen. Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie hoch das Volumen der ausstehenden Kontrakte ist und welche Risiken sich daraus ableiten. Experten warnen vor einem Dominoeffekt an den Finanzmärkten. Schlimmstenfalls könnte ein Staatsbankrott Griechenlands auch andere Euro-Länder in grosse Schwierigkeiten bringen.

Wie gross ist die Gefahr für andere Euro-Staaten?
Sehr gross - zum Teil spüren sie die Auswirkungen des griechischen Dramas schon ganz direkt. Irland und Portugal mussten schon nach der ersten Zuspitzung der Griechenland-Krise gerettet werden. Vor Monaten hatte sich die Krise auch auf die Euro-Wirtschaften Nummer drei und vier, Italien und Spanien, ausgeweitet. Deutlich wird dies an spürbar erhöhten Zinsen, die beide Länder für neue Schulden bezahlen müssen. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen und Italien und Spanien womöglich vom Kapitalmarkt abgeschnitten werden, käme selbst der Rettungsschirm EFSF in Bedrängnis. Denn das EFSF-Kreditvolumen würde bei weitem nicht ausreichen, um Italien und Spanien gleichzeitig zu stützen. Erschwerend kommt hinzu, dass die zuletzt beschlossene Erhöhung der EFSF-Schlagkraft in Form eines Versicherungshebels noch nicht einsatzbereit ist.

Welche Folgen ergäben sich für Griechenland?

Sollten die Griechen unvermittelt pleite gehen und zudem aus dem Euroraum austreten, würde das Land vermutlich ins wirtschaftliche Chaos stürzen. Die bereits jetzt starke Rezession dürfte sich nochmals wesentlich verschärfen. Zudem dürfte eine schnelle Wiedereinführung der alten Landeswährung, der Drachme, allein technisch unmöglich sein. Aber selbst wenn dies gelänge, stünde Athen vor einem Scherbenhaufen: Mangels Kreditwürdigkeit und internationaler Finanzhilfen müsste das Land seine Staatsausgaben schlagartig und drastisch reduzieren. Zudem würden sich die in Euro aufgenommenen Altschulden vervielfachen, da die alte und neue Währung Drachme stark abwerten dürfte.

Könnte die Eurozone an der Griechenland-Krise zerbrechen?

Das ist schwer zu sagen. Als letzter Schutzwall steht nach wie vor die Europäische Zentralbank (EZB) bereit, die über den Kauf von Staatsanleihen den Finanzierungsdruck auf angeschlagene Länder lindern und so das schlimmste verhindern könnte. Eine dauerhafte Lösung ist das aber nicht: Zwar verfügt die Notenbank theoretisch über unbegrenzte Mittel zur Krisenbekämpfung. Mit dem Kauf von Staatsanleihen lädt sie sich aber Risiken auf. Das macht sie nicht zuletzt politisch angreifbar. Bereits jetzt steht die EZB wegen ihrer milliardenschweren Käufe italienischer und spanischer Staatsanleihen im Kreuzfeuer der Kritik. (dpa)

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