Unternehmen bereiten sich auf den Eurozerfall vor
Die Talfahrt des Euro geht rasant weiter. (keystone)
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Von Wirtschaftsredaktor Thomas Oberer
Die Wahrscheinlichkeit ist klein, dass es den Euro bald nicht mehr gibt. Trotzdem müssten die Schweizer Firmen auf alle Szenarien vorbereitet sein, rät Unternehmensberater Klaus Wellershoff. Wenn so etwas passiere, dann müsse man mit grösseren Verwerfungen rechnen.
«Da muss man parat sein. Da wird man auch nicht lange Vorwarnzeiten bekommen», ist Wellershoff überzeugt. Der Verwaltungsrat, der seiner Geschäftsleitung nicht befohlen habe, Szenarien für diesen Fall auszuarbeiten, «der hat versagt».
Unternehmen versuchen sich abzusichern
Die unsichere Situation birgt für die Unternehmen die Gefahr, ihr Geld in Krisenländern wie Griechenland oder Italien zu verlieren. Viele Schweizer Firmen liessen deshalb beim Geschäften mit diesen Ländern im Moment besondere Vorsicht walten, sagte Rudolf Minsch, Chefökonom des Wirtschaftsverbandes Economiesuisse gegenüber Schweizer Radio DRS.
Unternehmen hätten damit begonnen, Produkte nach Griechenland nur noch gegen Barzahlung zu liefern. Eine zweite Strategie um sich gegen den Zahlungsausfall eines Landes absichern zu können sei es, das Vermögen auf Bankkonten und Wertschriftenbestände in sichere Länder zu transferieren.» Viel mehr können Schweizer Firmen aber nicht tun, wenn sie sich nicht ganz aus dem Geschäft mit gefährdeten Ländern zurückziehen wollen.
Sichere Prognosen sind nicht möglich
Gegen das Auf und Ab beim Euro können sich die Firmen bei den Banken versichern. Aber falls Griechenland aus dem Euro austreten und wieder die Drachme einführen müsste, gebe es gegen ein solches Ereignis kein Sicherheitsnetz, sagte Klaus Wellershoff. «Weil es diese neue Währung gar noch nicht gibt, gibt es auch niemanden, der einen Kurs und damit einen Wert nennen kann.»
Prognosen für die nächsten Wochen und Monaten sind kaum möglich. Und dies erschwere jetzt gegen Ende Jahr die Planung der Unternehmen, erklärte Peter Dietrich vom Verband der Schweizer Maschinen und Elektroindustrie Swissmem. «Guter Rat ist teuer», so Dietrich. Es sei einfach unklar, wo die stabilen Märkte oder Länder sind, in die investiert werden kann.
Immer mehr Schweizer Firmen verlagern deshalb ihre Produktion in Länder ausserhalb Europas, um das Risiko zu verkleinern. Doch das sei gar nicht so einfach, gibt Dietrich zu bedenken. «Das geschieht natürlich nicht von heute auf morgen.» So etwas müsse von langer Hand vorbereitet werden. «Insofern ist die Stabilität des Euro-Raums für eine Export-Industrie wichtig.»
Euro-Crash wäre für die Schweiz «sehr, sehr schlimm»
Sollte der schlimmste Fall eintreffen und der Euro bricht auseinander, wäre das für die Schweizer Firmen verheerend. Man wüsste nicht mehr, mit wem man Geschäfte abschliessen könnte; was mögliche weitere Folgen sein könnten, sagt Minsch von Economiesuisse. Man wüsste auch nicht, ob es zu weiteren Ansteckungseffekten komme. «Das wäre wirklich eine sehr, sehr schwierige Situation.»
Dass die Eurozone zusammenfällt und wieder nationale Währungen eingeführt werden, daran haben Schweizer Unternehmen also kein Interesse. Lösen müssen die Euro-Krise die europäischen Politiker. Die Schweizer Unternehmer können da bloss zuschauen - und hoffen. (bat/obet)
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