Eine weitere Nacht der Gewalt in Ägypten
Zusammenstösse in Kairo: Tausende demonstrierten am Abend gegen den herrschenden Militärrat. (Keystone)
Von Nahostkorrespondentin Iren Meier
Eine weitere Nacht der Gewalt in Kairo: Tränengas in der Innenstadt, Steine, die gegen die Polizisten fliegen. Diese antworten den Demonstranten mit Gummigeschossen. Der Zorn und die Bitterkeit nach den schweren Ausschreitungen nach dem Fussballspiel in Port Said trieben tausende Fussballfans auf den Tahrirplatz und später vor das Innenministerium.
Auch viele Ägypter, die nichts mit Fussball zu tun haben, schlossen sich dem Protest im Regierungsviertel an, darunter zahlreiche Frauen. Manche, weil sie überzeugt sind, dass Armee und Polizei das Blutvergiessen in Port Said durch ihr Nichteingreifen erst möglich gemacht hätten oder dass sogar der Militärrat selber involviert gewesen sein könnte. Viele Demonstranten riefen Slogans gegen das Militärregime und verlangten dessen Rücktritt.
Hunderte Demonstranten verletzt
Laut ägyptischem Staatsfernsehen wurden hunderte Demonstranten in Kairo verletzt. In der Stadt Suez kam es zu einer ähnlichen Demonstration, dort gab es zwei Todesopfer. Die Demonstranten hätten versucht, die Polizeistation zu stürmen, danach habe die Polizei mit scharfer Munition geschossen, melden Nachrichtenagenturen.
Die Ausschreitungen in Port Said erschüttern Ägypten ein Jahr nach der Revolution. Die Fussballfans des Kairoer Clubs al-Ahly glauben, dass sie in Port Said verfolgt und gejagt wurden, weil sie eine zentrale Rolle während der Revolution spielten und die Polizei sich so an ihnen gerächt habe. Die Fans, genannt Ultras, waren und sind oft an der Spitze der Proteste anzutreffen und lieferten sich in der Vergangenheit manche Auseinandersetzung mit der Polizei.
Sondersitzung im Parlament
Das neue Parlament beschloss am Donnerstagabend in einer Sondersitzung, die Ereignisse in Port Said schnell und umfassend zu untersuchen. Einige Parlamentarier verlangten den Rücktritt der vom Militär eingesetzten Regierung Ghansuri, doch ein Misstrauensvotum kam nicht zustande. Die meisten Parlamenatrier, auch die islamistischen Muslimbrüder, machten entweder Leute des alten Mubarak-Regimes für die Gewalt und das Sicherheitsvakuum verantwortlich oder beschuldigten direkt die regierenden Generäle. (ank)
Mehr zu den Stichwörtern:
