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Samstag, 4.2.2012

Rufe nach Rücktritt des Militärrats

Nach zweitägigen Krawallen mit mindestens zwölf Toten werden in Ägypten Rufe nach einer vorgezogenen Präsidentenwahl laut. Während die Proteste weitergehen, wird immer lauter der Rücktritt des herrschenden Militärrats gefordert.

Auf dem Tahrir-Platz in Kairo versammelten sich am Freitag Tausende Demonstranten. (Reuters)

Auch am Samstag gingen die Proteste in Kairo vorerst weiter. Um das Innenministerium gab es nach Angaben des Staatsfernsehens vereinzelt Zusammenstösse zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten.

Auf dem Tahrir-Platz versammelten sich wieder Hunderte Demonstranten. Viele forderten eine Reform der Polizeikräfte, andere aber auch gleich die Hinrichtung der Mitglieder des Militärrats. Die ägyptische Zeitung «Al-Tahrir» titelte: «Das Land will einen Präsidenten.» Vorgesehen ist eigentlich, dass zunächst eine neue Verfassung entworfen und im Juni ein neuer Präsident gewählt wird.

Mindestens zwölf Tote in drei Tagen
Am Freitag war die Gewalt im Land weiter eskaliert und forderte mindestens fünf Menschen das Leben. Insgesamt starben bei Ausschreitungen in den vergangenen Tagen zwölf Menschen, wie das Staatsfernsehen am Samstag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichtete.

In Kairo kam es am Freitag den zweiten Tag in Folge zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei. Bei den gewaltsamen Protesten starben mindestens zwei Demonstranten. Nach Angaben von Ärzten kamen sie durch das Einatmen von Tränengas ums Leben. Sie hatten sich einer Protestkundgebung nahe des Innenministeriums angeschlossen, wo die Polizei mit Tränengas gegen die steinewerfenden Demonstranten vorging.

Steuerbüros gestürmt
Hunderte Menschen wurden von Sanitätern behandelt. Mehr als 10'000 Demonstranten hatten sich zuvor auf dem Tahrir-Platz versammelt, von wo sie zum Innenministerium weiterzogen. Dort schlug der anfangs friedliche Protestmarsch in Gewalt um.

Die wütende Menge stürmte auch ein in der Nähe des Ministeriums gelegenes Gebäude der Steuerbehörde. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen flogen Brandbomben. Die Eindringlinge hätten Möbel und Akten zerstört, hiess es. Die Polizei habe Instruktion erhalten, im Umgang mit den Randalierern zurückhaltend zu sein.

Daran hätten sich die Beamten auch gehalten, obwohl bei den jüngsten Unruhen 138 Polizisten verletzt worden seien. Nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Mena kam am Freitag auch ein Angehöriger der Sicherheitskräfte ums Leben.

Demo vor dem Polizeihauptquartier in Suez
Auch in der rund 140 Kilometer von Kairo entfernten Stadt Suez, wo in der Nacht auf Freitag zwei Menschen bei Protesten erschossen wurden, gab es am Freitag erneut Ausschreitungen.

Auslöser der jüngsten Proteste in Ägypten waren die schweren Krawalle nach einem Fussballspiel in Port Said, bei denen am Mittwoch mindestens 71 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt worden waren.

Misstrauen gegen Militärrat
Die Demonstranten in Kairo und anderen Städten sowie Abgeordnete des neu gewählten Parlaments werfen der Polizei vor, gegen die Ausschreitungen in dem Stadion von Port Said nicht entschieden vorgegangen zu sein oder die Gewalt geschehen haben zu lassen. Die Proteste richten sich auch gegen den herrschenden Militärrat.

Etwa 1500 Menschen marschierten am Freitag zum Verteidigungsministerium in Kairo und forderten in Sprechchören die Hinrichtung von Feldmarschall Tantawi. Die Demonstranten werfen dem Militärrat vor, er wolle trotz gegenteiliger Beteuerungen die Macht nicht an eine gewählte Regierung abgeben.

Der von den Streitkräften ernannte Ministerpräsident Kamal al-Gansuri gab erste personelle Konsequenzen gegen Sicherheitsverantwortliche bekannt. Zur Enttäuschung vieler Parlamentarier hielt die Regierung aber am Innenminister fest. (pet, sda/afp/dpa/reuters)

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