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(keystone)

Chronologie: Die Suche nach einem Endlager

2008 präsentierte die Nagra Vorschläge zu möglichen Standorten für Tiefenlager. Bis ein solches Lager betriebsbereit ist, dürften noch einmal mindestens 20 Jahre vergehen.

Geplant sind folgende Schritte:
2008 bis 2014/18: Standortsuche in drei Etappen.

  • Etappe 1: Auswahl von geologischen Standortgebieten.
  • Etappe 2: Auswahl von mindestens zwei Standorten.
  • Etappe 3: Standortwahl und Rahmenbewilligungsverfahren.

2016/19: Bundesratsentscheid über eine Rahmenbewilligung für geologische Tiefenlager, anschliessend Genehmigung durch das Parlament, Möglichkeit eines Referendums.

2019/23: Baubewilligungen für Felslabore an den Standorten.

2030 bis 2040: Voraussichtliche Inbetriebnahme der Endlager.

Die wichtigsten Stationen der Standortsuche:

1972

Die nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) wird gegründet. Beteiligt sind die Eidgenossenschaft und die Betreiber der fünf Kernkraftwerke.

1978

Der Bundesrat beauftragt die Nagra, Lagermöglichkeiten für radioaktive Abfälle in der Schweiz zu prüfen.

1988

Der Bundesrat entscheidet - gestützt auf die Untersuchungen der Nagra - dass schwach- und mittelradioaktiver Atommüll in der Schweiz entsorgt werden kann. Er erlaubt der Nagra Sondierungen am Wellenberg in Wolfenschiessen NW.

1993 und 1994

Die Nagra schlägt als Lager-Standort für schwach- und mittelaktive Nuklearabfälle den Wellenberg vor, für hochradioaktive und langlebig mittelaktive Abfälle Benken im Zürcher Weinland.

1995 und 2002

Die Stimmenden in Nidwalden sagen zwei Mal Nein zu Plänen für ein solches Lager im Wellenberg.

18. Juni 2001

Das Zwischenlager für radioaktive Abfälle in Würenlingen AG nimmt den Betrieb auf.

20. Dez. 2002

Die Nagra erklärt nach Untersuchungen im Zürcher Weinland, der dortige Opalinuston sei für ein Tiefenlager geeignet. Sie empfiehlt die Fokussierung auf Benken ZH.

10. Mai 2004

Die Schweiz beteiligt sich am EU-Projekt «SAPIERR» zur Suche nach einem multinationalen Endlager für langlebige und hochaktive Atomabfälle. Als möglicher Endlager-Standort wird Russland genannt.

1. Februar 2005

Kernenergiegesetz und -verordnung treten in Kraft. Danach dürfen ab Mitte 2006 keine abgebrannten Brennstäbe mehr ins Ausland (La Hague in Frankreich, Sellafield in Grossbritannien) exportiert werden. Atommüll muss grundsätzlich in der Schweiz entsorgt werden.

12. September 2005

Die Hauptabteilung für die Sicherheit der Kernanlagen (HSK) erklärt den Untergrund im Zürcher Weinland als geeignet für ein Atomendlager. Das öffentliche Auflageverfahren beginnt.

28. Juni 2006

Der Bundesrat hält die Lagerung von hoch- und mittelradioaktiven Abfällen aus den Atomkraftwerken in der Schweiz für möglich, die Nagra habe den Nachweis erbracht. Die Standortsuche solle sich aber nicht auf das Zürcher Weinland beschränken.

April 2007

In der Vernehmlassung zum Sachplan Geologische Tiefenlager des Bundes sind sich Parteien und Verbände nicht einig über die Grösse des Lagers: SP und Grüne wollen es auf die fünf bestehenden AKW ausrichten, die Bürgerlichen wollen auch mögliche kommende AKW einbeziehen.

2. April 2008

Der Bundesrat gibt grünes Licht für die Standortsuche.

6. November 2008

Das Bundesamt für Energie nennt sechs Regionen zwischen Nordschweiz, Jurasüdfuss und Wellenberg als geeignete Standorte zum Bau von Tiefenlagern für radioaktive Abfälle.

26. Februar 2010

Das eidgenössische Nuklearsicherheits-Inspektorat (Ensi) hat die von der Nagra im Jahr 2008 getroffene Auswahl bestätigt und stuft sie als «fachlich fundiert» ein. In der Schweiz stehen also weiterhin sechs Standorte für den Bau eines Endlagers für radioaktive Abfälle zur Debatte.

23. August 2010

Nach der Analyse der gesammelten Sicherheitsgutachten kommt das Bundesamt für Energie zum Schluss, dass alle möglichen Standorte in Frage kommen. Nun wird die Bevölkerung informiert und die betroffenen Regionen können Stellung nehmen.

November 2010:

Über 4000 Bewohnerinnen und Bewohner der betroffenen Gebiete wehren sich mit schriftlichen Einsprachen gegen die Endlager. Beim Bundesamt für Energie gehen rund 200 Stellungnahmen von Parteien, Organisationen oder Gemeinden ein.

Die Kantone Schaffhausen und Baselland entscheiden, dass sie sich mit allen rechtlichen und politischen Mitteln gegen ein Atommüll-Endlager wehren wollen. Das gilt auch für Standorte die nicht auf dem Kantonsgebiet, sondern nur in dessen Nähe liegen.

Dezember 2010

Vier Kantonsregierungen äussern sich zum Thema. Der Aargau will auf seinem Gebiet kein Tiefenlager für hochradioaktive Abfälle. Ob- und Nidwalden fordern, dass der Wellenberg als Standort für ein Atommülllager gestrichen wird. Der Kanton Solothurn verlangt vertiefte geologische Abklärungen.

13. Februar 2011

Die Stimmberechtigten Nidwaldens lehnen ein Lager für radioaktive Abfälle im Wellenberg weiter ab. Sie sprechen sich mit 11'602 zu 2948 Stimmen klar gegen ein mögliches Tiefenlager im eigenen Kanton aus.

Formal heissen die Stimmberechtigten die Stellungnahme des Regierungsrats an den Bund gut, der zur Zeit einen Lagerstandort sucht. Der Wellenberg sei aus der Liste der möglichen Standorte zu streichen, verlangt die Kantonsregierung.

1. Dezember 2011

Die erste Phase der Endlager-Suche ist offiziell beendet, die zweite beginnt. Alle sechs vorgeschlagenen Standorte werden nun vertieft von der Nagra untersucht. Der Bundesrat beauftragt das Uvek, die zweite Etappe der Standortsuche zu starten. Diese dauert vier Jahre.

Die Kantonsregierungen von Obwalden und Nidwalden sind enttäuscht, dass der Wellenberg weiterhin ein möglicher Standort für ein Atommülllager bleibt. Sie wollen nun alles daran setzen, dass er in der dritten Etappe der Abklärungen nicht mehr weiterverfolgt wird.

(luek/cdm, sda)

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