Solschenizyn: Übervater aller Dissidenten
Der hagere Schriftsteller, vielen bekannt mit seiner Glatze, seinem schütteren, langen, grauweissen Haupthaar und dem bis auf die Brust reichenden Kinnbart hatte den stalinistischen Terror am eigenen Leib erfahren müssen. Als Kritiker des damaligen Regimes wurde er zu schwerer Lagerhaft verurteilt - drei Jahre verbrachte er in der kasachischen Steppe.
Er war es denn auch, der nicht nur den Menschen im eigenen Land, der damaligen Sowjetunion, einen wichtigen historischen Spiegel vorsetzte, Solschenizyn war es, der allen in der Welt unmissverständlich zu verstehen gab, welches Leid Millionen von Sowjetbürgerinnen und Sowjetbürgern unter dem willkürlichen Regime Stalins zu erleiden hatten.
Mit seinem Band "Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch" brachte es Solschenizyn zu Weltruhm. Solschenizyns wichtigstes Werk aber ist sicherlich "Der Archipel Gulag", der, in allen grossen Sprachen verlegt, weltweit grösste Beachtung fand.
Ausgewiesen aus seinem Heimatland, lebte Solschenizyn in der 1970er Jahren zuerst bei seinem Schriftstellerkollegen Heinrich Böll bei Köln, danach - nach einem kurzen Intermezzo in der Schweiz - während 18 Jahren in den USA. 1994 ist Solschenizyn nach Moskau zurückgekehrt.
Peter Gysling, Moskau
