Der Hausmann
Am Abend, wenn sein Tagewerk als Desperate Househusband erledigt ist, geht Bänz Friedli, der meistgelesene Kolumnist der Schweiz, manchmal aus dem Haus und trägt die Geschichten, die der Alltag schrieb, live vor: frech, urkomisch, lebensecht.
Nun erschien bei Tudor eine Doppel-CD, mitgeschnitten im Zürcher Miller’s Studio. «Am liebsten würde ich mich ja Hausfrau nennen», beginnt Bänz Friedli sein zweieinhalbstündiges Programm.
Friedlis Auftritte sind nicht Comedy, nicht Satire, nicht Slam, nicht Literatur – und doch von allem ein bisschen. Seine privaten Beobachtungen aus dem Familienalltag zielen immer auch auf die Gesellschaft.
«In seinem perfekt polierten Küchenreich spiegelt sich auch die grosse Welt», schrieb Brigitta Niederhauser in «Der Bund» über Friedlis wöchentliche Kolumnen im «Migros-Magazin». Und ob er seine zeitkritischen «Zytlupen» von Radio DRS 1, seine früheren «Pendlerregeln» aus «20 Minuten» oder die aktuellen Kolumnen aus dem Haushalt vorträgt, stets bringt Friedli es fertig, dass wir darüber lachen, worüber wir uns im Alltag ärgern: über Legoteilchen, die der Staubsauger verschluckt hat, über Nervensägen im Tram und in der Migros-Warteschlange, über verkalkte Wasserhahnen und die Callcenteraufschwätzertypen, die immer genau dann anrufen, wenn man sich gerade zu Tisch setzt.
«Friedli erzeugt eine grosse Nähe zwischen Hörern und Erzähler», befand der «Zürcher Unterländer». «Gekonnt wechselt der Hausmann in seiner Lesung von Hochdeutsch zu Bern- und Zürichdeutsch, imitiert er Kinderstimmen und den ‹Gangsta-Slang› einiger Jugendlicher, bringt einen Lacher nach dem anderen, bis er einen ganz anderen Ton anschlägt: Er wird ernst.
Obschon der Entertainer grösstenteils auf der humorvoll-sarkastischen Schiene fährt, schneidet er auch heikle Themen an: Tötungsdelikte und Verschleppungen, die leider genauso wahr sind wie alles andere in seinen Kolumnen.»
