Adolf Muschg: Ein streitbarer Autor wird 75. (Keystone)
Adolf Muschg - der streitbare Autor wird 75
Adolf Muschg gehört zu den renommiertesten Schweizer Autoren der Gegenwart, sein Name wird oft in einem Atemzug mit Max Frisch oder Friederich Dürrenmatt genannt. Am 13. Mai 2009 feiert er seinen 75. Geburtstag.
Muschgs erster Roman «Im Sommer des Hasen» erschien 1965. Heute kann er auf ein umfassendes Gesamtwerk zurückblicken, das neben Romanen und Erzählbänden auch Theaterstücke, Hörspiele und Drehbücher umfasst. Dazu kommen Reden, Aufsätze oder auch die Monographie über Gottfried Keller.
Die künstlerische Distanz zum Zeitgeist wahrte Muschg zwar in seiner Literatur, aber als Bürger und Mitglied der Sozialdemokratischen Partei mischte er sich in den Alltag der Schweiz immer wieder ein. Nach dem Tod von Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt wurde er dem öffentlichen Urteil zufolge der schärfste Kritiker Schweizer Überheblichkeit und Eigenbrötelei.
Zu seinen grossen Werken gehören die Romane «Baiyun oder die Freundschaftsgesellschaft» (1980) über China nach dem Tod Maos, «Das Licht und der Schlüssel» (1984), den Muschg selber als seinen wichtigsten Roman bezeichnet, und «Der Rote Ritter» (1993), eine Gralsgeschichte.
Mit seinen Theaterstücken «Rumpelstilz», «Die Aufgeregten von Goethe» oder «Kellers Abend» war Muschg weniger erfolgreich, wurde dafür aber umso mehr als ein Meister der knappen Erzählform gelobt.
Muschg erhielt viele bedeutende Auszeichnungen für sein literarisches Schaffen, so etwa 1968 den Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis, 1984 den Literaturpreis der Stadt Zürich für sein Gesamtwerk, 1994 den Georg-Büchner-Preis.
Adolf Muschg war von 1970 bis 1999 an der ETH Zürich Professor für deutsche Sprache und Literatur. Er gehört verschiedenen renommierten Gremien an, darunter auch die Berliner Akademie der Künste. 2003 übernahm er das Präsidium der Akademie, gab das Amt aber zwei Jahre später überraschend wieder ab, weil er sich mit dem Senat der Akademie zerstritten hatte.
Für einen kleineren Eklat sorgte der «gelassene Querulant» bei dem ersten Schweizer Buchpreis BucH08. Er zog sein nominiertes Buch «Kinderhochzeit» kurz vor der Verleihung zurück. Muschg begründete diesen Entscheid mit dem Unbehagen gegenüber der Inflation von solchen Preisen und dem Marketing-Charakter der Preisverleihung.
