Ein Leben für die Moderne Klassik
Ernst Beyeler in seinem Museum in Riehen (2004). (Keystone)
Ernst Beyeler wurde im Juli 1921 als Sohn eines Bahnbeamten in Basel geboren. Seine Laufbahn begann in den 1940er-Jahren: Damals durchlief er eine kaufmännische Ausbildung und studierte Ökonomie sowie Kunstgeschichte an der Universität Basel. Zur gleichen Zeit arbeitete er als Aushilfe im Antiquariat des jüdischen Emigranten Oskar Schloss.
Der Anfang im Antiquariat
Nach dessen Tod 1944 übernahm Beyeler das Antiquariat an der Bäumleingasse in Basel. 1947 stellte er zum ersten Mal japanische Holzschnitte aus. Ab 1951 organisierte er die erste Ausstellung einer ununterbrochenen Serie, die sich mit den Meistern der Moderne befasste und bis jetzt mehr als 250 Einzelausstellungen herausbrachte.
Prominenz auf Einkauf
In diesen Jahren machte Beyeler Karriere und wurde zum wichtigsten Kunsthändler der Schweiz - Prominente wie Gianni Agnelli, David Rockefeller und Peter Ludwig kauften bei ihm.
Der erste Coup
1959 – 1965 landete er einen ersten grossen Coup, als er 340 Werke der klassischen Moderne aus der Sammlung Thompson in Pittsburgh (USA) erwerben konnte. Von diesen Werken von Cézanne, Monet, Picasso, Matisse, Léger, Mondrian und Braque und Klee gingen zahlreiche in Museen. Unter anderem kehrten 80 Werke Giacomettis in die Schweiz zurück.
Beyeler und Picasso
Beyeler unterhielt mit berühmten Künstlern des 20. Jahrhunderts Kontakt und war teilweise eng befreundet. So besuchte er Pablo Picasso 1969 in Mougins und erhielt die Erlaubnis, 26 Werke aus den Beständen des Künstlers frei auszuwählen. Später konnte er bei Picasso noch Zeichnungen für die Ausstellung «90 Werke auf Papier» auswählen, die er anlässlich von Picassos 90. Geburtstag 1971 zeigte. 1981 organisierte die Galerie zu Picassos 100. Geburtstag eine umfangreiche Retrospektive.
Die ART Basel wird gegründet
1971 gründete Beyeler zusammen mit den Galeristen Trudl Bruckner und Balz Hilt die Internationale Kunstmesse ART Basel und war bis 1992 ihr aktiver Mitorganisator. Diese Kunstmesse wurde in der Folgezeit die wichtigste Kunstmesse in Europa.
Der «grösste Kunsthändler von allen»
1972 gelang ihm mit dem Erwerb von rund 100 Ölgemälden, Aquarellen und Zeichnungen Wassily Kandinskys von dessen Witwe Nina, die ihn als «grössten Kunsthändler von allen» ansah, wieder ein grosser Coup.
1981 und 1984 erregte er durch zwei internationale Ausstellungen unter dem Titel „Skulptur im 20. Jahrhundert“ mit ca. 200 Werken von Rodin bis Richard Serra im Riehener Wenkenpark und im Merian-Park in Basel mit 220 Werken von Bourdelle bis Beuys Aufsehen.
Die Sammlung wird zur Stiftung
Zusammen mit seiner Frau Hildy trug Beyeler während 50 Jahren viele Werke der klassischen Moderne zusammen. 1982 wurde die Sammlung dann in eine Stiftung überführt und zum ersten Mal in einer Ausstellung im Centro de Arte Reina Sofia in Madrid gezeigt.
Der Erfolg in Madrid bestärkte Beyeler in der Absicht, seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Um die Kollektion mit Werken der wichtigsten Künstler des 20. Jahrhunderts sowie aus Afrika und Ozeanien buhlten Museen aus aller Welt, sogar das Museum of Modern Art in New York.
Piano baut das Museum in Riehen
1994 beauftragte Beyeler den Architekten Renzo Piano mit dem Bau des Beyeler Museums in Riehen bei Basel, das seine Sammlung aufnehmen sollte. Das 1997 eröffnete Beyeler-Museum wurde wegen des Publikumsandrangs bereits 1999 erweitert.
Die grossen Sonderausstellungen ziehen bis heute Scharen von Kunstfans an: Das Haus hatte 2008 mit rund 300 000 am meisten Besucher aller Museen in Basel und auch landesweit einen Spitzenplatz.
Naturverbunden
Beyeler war neben der Kunst auch mit der Natur stark verbunden. 2001 rief er die Stiftung «Kunst für den Tropenwald» ins Leben. Für seine Verdienste um die Kunst wurde er unter anderem zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt.
(bürg, sda, munzinger)
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