Prozess gegen Kachelmann vertagt
Jörg Kachelmann (m.) kommt mit seinen Verteidigern beim Landgericht Mannheim an. (Keystone)
Vor dem Landgericht Mannheim hat der Prozess gegen den Schweizer Jörg Kachelmann begonnen. Aber unmittelbar nach Beginn wurde die Verhandlung vertagt. Sie soll am kommenden Montag fortgesetzt werden.
Die Mannheimer Richter müssen klären, ob der Schweizer seine ehemalige Freundin vergewaltigt hat. Die Staatsanwaltschaft wirft dem prominenten 52-jährigen Wettermann eine besonders schwere Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vor. Kachelmann bestreitet die Vorwürfe. Bei einer Verurteilung drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Das Medieninteresse am «Prozess des Jahres», wie er in Deutschland bezeichnet wird, ist gross.
Verteidigung: Zwei Richter sind befangen
Die Anwälte Kachelmanns hatten am Morgen Befangenheitsanträge gegen zwei Richter der Kammer gestellt. Diese wurden nicht verlesen, sondern dem Gericht schriftlich übergeben, weshalb der Inhalt nicht bekannt wurde.
Das Gesuch richtet sich gegen den Gerichtsvorsitzenden Michael Seidling sowie die Beisitzerin Daniela Bültmann. Da nun zunächst über die Anträge entschieden werden muss, wurde die Verhandlung auf den 13. September vertagt.
Auch Kachelmanns Strafverteidiger Reinhard Birkenstock machte vor der Presse keine Angaben. Er habe in den Befangenheitsanträgen Gründe vorgetragen, warum die beiden Richter aus Sicht seines Mandanten «nicht völlig unvoreingenommen» seien. In den Medien war vor Prozessbeginn berichtet worden, dass der Vorsitzende Richter als Vorstand eines Sportvereins den Vater des mutmasslichen Vergewaltigungsopfers kenne.
Vier Monate in U-Haft
Der ARD-Moderator war nach der Rückkehr von den Olympischen Winterspielen Ende März in Frankfurt festgenommen worden und sass rund vier Monate in Untersuchungshaft.
Ende Juli hob das Oberlandesgericht Karlsruhe den Haftbefehl auf. Der Grund für diesen Entscheid: Es stehe Aussage gegen Aussage. Überdies könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Anschuldigungen gegen den Wetterexperten falsch seien.
Die Karlsruher Richter bezweifelten die Glaubwürdigkeit des Opfers und stützen sich dabei auf ein Gutachten, das die Staatsanwaltschaft Mannheim selbst in Auftrag gegeben hatte. Darin kam eine Psychologin zum Schluss, die Aussagen des mutmasslichen Opfers seien nicht überzeugend.
Anklage wegen schwerer Vergewaltigung
In der Anklage, die heute Montag hätte verlesen werden sollen, stützt sich die Staatsanwaltschaft sowohl auf die Aussage von Kachelmanns früherer Freundin als auch auf Ergebnisse kriminaltechnischer und rechtsmedizinischer Untersuchungen.
Die langjährige Geliebte beschuldigt Kachelmann, er habe ihr in ihrer Wohnung in Schwetzingen in der Nacht zum 9. Februar ein Messer gegen den Hals gedrückt und sie zum Sex gezwungen. Er sei wütend darüber gewesen, dass sie sich von ihm trennen wollte, sagte die Radiomoderatorin laut Staatsanwaltschaft aus. Sie habe kurz vor seinem Besuch von seinen Beziehungen zu anderen Frauen erfahren.
Über 20 Zeugen geladen
Neben dem mutmasslichen Opfer sollen vor Gericht 25 Zeugen vernommen werden, darunter befinden sich laut der Anklagebehörde Sachverständige und auch «diverse weibliche Zeugen aus dem Umfeld des Angeklagten».
Mit diesen Frauen soll Kachelmann phasenweise gleichzeitig ein Verhältnis geführt haben. Deswegen steht der Schweizer aber nicht vor Gericht. Deshalb wundern sich Rechtsexperten auch darüber, dass die Hauptbelastungszeugin erst Mitte Oktober befragt werden soll - als letzte Zeugin überhaupt. (acd/dinf, ap/dpa/reuters)
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