Buch-Tipp: «How I Fucked Jamal»
Die beiden Herausgeberinnen wissen typische Zeitgenössigkeiten für das moderne Erzählen eines alten Themas zu nutzen: Menschen mit flexiblen Wohnsitzen (in den Autorenbiografien findet man Ausdrücke wie «wahlwohnt», «lebt eigentlich», «schreibt zwischen den Kulturen»), die ganz offen über ihren und andere Körper (ein Autor beschreibt die Beschneidung eines Ich-Erzählers im Erwaschenenalter entwaffnend trocken und smart) und Zwischenmenschliches wie Sex zu schreiben.
Afrikaner gefunden
Menschen treffen Menschen aus anderen Nationen, schlafen miteinander, können sich darüber hinaus mehr schlecht als recht verständigen, haben Mühe damit, die Kultur zu verstehen und missverstehen sich darob oder nutzen die vermeintliche Überlegenheit aus, wie Johanna Wack in ihrer ironischen, gesellschaftskritischen Geschichte «Afrikaner gefunden» skizziert: Die Protagonistin «findet» einen Afrikaner am Strand und schmuggelt ihn in ihre Heimat Deutschland – dort stellt sie ihn in mannigfaltiger Hinsicht in ihren Dienst.
Die Möglichkeiten der Sprache nutzen
Sprachbiskuits geniesst man in Cornelia Travniceks Geschichte «Sonnenhunde»: «(...) und dann lacht sie so dreckig, dass man rund um sie putzen möchte». In dieser Erzählung schläft die Ich-Erzählerin mit dem Bruder der besten Freundin, einer in Erscheinung und Verhalten imposanten Türkin – je mehr die Erzählerin merkt, dass sie sich in den jungen Mann verliebt hat, umso weniger nah liegt ihr das «Geständnis».
Wer ein Buch lesen möchte, das ehrlich und authentisch scheint, witzig und seltener melancholisch ist, ein Buch das zeigt, welche unterschiedlichen Stimmen in der jungen Literatur zu Wort kommen und wie die Autoren die Möglichkeiten nutzen, die die Sprache bietet, dem sei diese Anthologie heiss empfohlen. Zumal das Thema ja auch viel für sich hat.
«How I Fucked Jamal» ist ein Muss für: Eintönige. Unterschiedlichste Klänge junger Schreibstimmen schwellen in dieser Sammlung zum modernen Meistersang an.
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