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  • Zurück zum Dossier «Afghanistan: Krisenherd am Hindukusch »

(Reuters)

Lange Geschichte von Invasionen

Afghanistan befindet sich an einem strategisch wichtigen Ort: am Handelsweg vom Mittelmeerraum nach Indien und China sowie am Übergang zwischen Zentralasien und dem indischen Subkontinent. Wiederholt versuchten Grossmächte deshalb, das Land am Hindukusch unter ihre Kontrolle zu bringen.

Treffpunkt verschiedener Kulturen
Im 6. Jahrhundert v. Chr. kam Afghanistan erstmals unter Kontrolle persischer Könige. Obwohl das Land von verschiedensten Bevölkerungsgruppen bewohnt wird, ist bis heute eine Variante des Persischen wichtigste Sprache in Afghanistan. Mit dem Feldzug von Alexander dem Grossen gelangten auch kulturelle Einflüsse aus Griechenland bis zum Hindukusch.

Alexanders Nachfolger errichteten in Afghanistan ein Reich, in dem die persische und griechische Kultur mit indischen Einflüssen verschmolz. Aus Indien kam der Buddhismus, zu dessen Blütezeit in Afghanistan die berühmten Buddha-Statuen von Bamiyan entstanden. Ein Weltkulturgut, das 2001 trotz internationalem Protest von den Taliban gesprengt wurde.

Der Islam kam vom 7. Jahrhundert an ins Land, setzte sich aber erst 300 Jahre später vollständig durch. In der Mitte des 18. Jahrhunderts entstand im Gebiet des heutigen Afghanistan ein persisches Königreich, das als Vorgänger des modernen afghanischen Staates angesehen wird.

Das Scheitern der Engländer
Im 19. Jahrhundert prallten die imperialen Ansprüche Russlands und Grossbritanniens in Afghanistan aufeinander. Die Zaren wollten von Zentralasien her einen freien Zugang zum Indischen Ozean erlangen, die Briten wollten dies verhindern und Afghanistan an ihr Kolonialreich in Indien angliedern. Zweimal versuchten die Briten Afghanistan zu erobern - ohne bleibenden Erfolg (1838–42 und 1878–80). Bei ihrem ersten Feldzug verloren sie 15'000 Soldaten.

1919 anerkannte Grossbritannien Afghanistan als souveränen Staat. Dieser musste aber Gebiete an Britisch-Indien abtreten. Es handelt sich um die Gebiete, die heute den Taliban als Basis für Angriffe in Afghanistan dienen. Sie gehören zwar inzwischen zu Pakistan, bevölkert werden sie aber immer noch von Paschtunen, die auch im Süden Afghanistans in der Mehrheit sind.

Einmarsch der Roten Armee
Von 1933 bis 1973 war Sahir Shah König von Afghanistan. Nach seinem Sturz durch einen Cousin wurde die Republik ausgerufen. Die Gründer der Republik wollten das Land reformieren und wurden dabei von den afghanischen Kommunisten unterstützt. Schon bald kam es aber zu einem Machtkampf zwischen bürgerlichen und kommunistischen Kräften, den letztere mit Hilfe aus Moskau gewannen. Im Dezember 1979 marschierte die Sowjetarmee in Kabul ein.

Gegen das kommunistische Regime formierten sich verschiedene, vor allem islamische Gruppierungen und nahmen den bewaffneten Widerstand auf. Ethnische und religiöse Gegensätze führten aber immer wieder zu Machtkämpfen unter den so genannten Mujahedin. Finanzielle Hilfe erhielten sie aus den USA und Saudi-Arabien. Militante Islamisten aus aller Welt, zum Beispiel Osama bin Laden, Chef der Terrororganisation al-Kaida, schlossen sich dem Widerstand an.

Sowjets werden der Lage nicht Herr
Die Sowjetunion konnte sich auch mit 100'000 Soldaten nicht gegen die Aufständischen durchsetzen und musste nach eigenen Angaben mehr als 13'000 Opfer beklagen. Insgesamt kamen während der sowjetischen Besatzung bis zu eineinhalb Millionen Menschen um. Fünf Millionen Afghaninnen und Afghanen flüchteten nach Pakistan und Iran.

Nach der Machtübernahme durch Michail Gorbatschow (1985) setzte die Sowjetunion auf einen geordneten Rückzug aus Afghanistan. Im Februar 1989 verliess der letzte sowjetische Soldat das Land. Die kommunistische Regierung Afghanistans konnte sich noch bis zur Eroberung Kabuls durch die Mujahedin 1992 an der Macht halten.

Bürgerkrieg und Einmarsch der Taliban
Nach dem Ende der kommunistischen Regierung entbrannte ein langer blutiger Bürgerkrieg unter den verschiedenen Widerstandsgruppen. Von 1995 an drangen die so genannten Taliban (zu deutsch Glaubensschüler) aus Pakistan ein. Sie waren vor allem unter paschtunischen Flüchtlingen aus dem Süden Afghanistans rekrutiert worden und brachten innerhalb eines Jahres fast das ganze Land unter Kontrolle.

Pakistan hatte die Glaubensschüler finanziell und materiell unterstützt. Die Taliban brachten einerseits eine Ende des Bürgerkriegs und eine gewisse Stabilität, andererseits aber errichteten sie eine radikal-islamische Terrorherrschaft.

In einem massgeblich von den USA unter dem Eindruck der Terroranschläge des 11. Septembers 2001 geführten Kriegs gegen den Terror wurde das Taliban-Regime gestürzt. Seit 2004 ist Afghanistan eine Islamische Republik. Das Land ist jedoch sehr instabil. (wuec)

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Zahlen & Fakten: Afghanistan

Anzahl Einwohner
32 Mio.

Hauptstadt
Kabul

Amtssprache
Persisch (Dari), Paschtu

Religionen
Sunniten 84%, Schiiten 15%

Ethnien
Paschtunen 42%, Tadschiken 27%, Hazara 9%, Usbeken 9%, zahlreiche kleinere ethnische Gruppen (Aimak, Turkmenen, Belutschen u.a.)

Staatsform
Islamische Republik

Präsident
Hamid Karzai

Premier
Hamid Karzai

BIP:
12,85 Mrd. US$

Links
  • Afghanisches Newsportal mit Informationen zu den Präsidentenwahlen
  • Radio Free Afghanistan (US-finanzierter Radiosender, der aus Prag sendet)
  • Website der Wahlkommission Afghanistans
  • Homepage des afghanischen Präsidenten
  • Webseite der internationalen Sicherheitstruppe Isaf
  • Reisehinweise des EDA zu Afghanistan
Dossier: Krisenherd Afghanistan
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