«Urknallmaschine» erfolgreich angeschaltet
Jubel im Cern nach dem gelungenen Neustart des Teilchenbeschleunigers. (zvg)
Reibungsloser Neustart für Teilchenbeschleuniger
Nach rund einjährigen Reparaturarbeiten ist der weltgrösste Teilchenbeschleuniger wieder hochgefahren worden. In der Nacht zum Samstag wurden erstmals wieder Protonenstrahlen in den 27 Kilometer langen runden Tunnel am Europäischen Kernforschungszentrum (Cern) bei Genf geschickt, wie Cern-Sprecher James Gillies mitteilte.
Mit der rund drei Milliarden Euro teuren Anlage wollen die Physiker dem Urknall so nahe kommen wie nie zuvor und fundamentale Rätsel der Natur lösen.
Vor über einem Jahr abgeschaltet
Im September vor einem Jahr musste das Gerät wegen einer Panne abgeschaltet werden - kurz nachdem es eingeweiht worden war. Der Neustart wurde seitdem immer wieder verschoben. Die Reparaturen und zusätzliche Sicherheitsmassnahmen kosteten rund 27 Millionen Euro.
Neustart nach Plan
Nachdem Pannen den Erststart des spektakulären Projektes im Sommer 2008 zum Fiasko hatten werden lassen, lief nun alles nach Plan. Tatsächlich floss der erste Protonenstrahl neun Stunden früher als erwartet: «Wir mussten einige Wissenschaftler zurückrufen, sie waren schon nach Hause gegangen», sagte Gillies.
Wenige Stunden später wurde ein zweiter Protonenstrahl in entgegengesetzter Richtung auf den Weg gebracht, der entscheidende Schritt für die Protonenkollision. Die Strahlen seien mit relativ geringer Energie ins Rennen geschickt worden, teilte Gillies mit. Eine baldige Beschleunigung sei jedoch geplant.
Gillies feierte die Wiederinbetriebnahme als wichtigen Meilenstein auf dem Weg zu den ersten Experimenten, die im kommenden Jahr durchgeführt werden sollen.
«Urknallmaschine» soll Antworten liefern
Der Large Hadron Collider (LHC) ist der stärkste Teilchenbeschleuniger der Welt. Im Regelbetrieb soll er fast lichtschnelle Atomkerne mit bislang unerreichter Energie zusammenstossen lassen und damit unter anderem die Bedingungen kurz nach dem Urknall simulieren.
Im Trümmerregen dieser Kollisionen suchen die Forscher mit haushohen Nachweisgeräten nach bislang unentdeckten Elementarteilchen. So hoffen sie unter anderem auf Spuren des so genannten Higgs-Bosons, das der gängigen Theorie zufolge aller Materie ihre Masse verleihen soll und oft als «Teilchen Gottes» bezeichnet wird.
Ausserdem soll der seit 1983 geplante LHC «erstes Licht ins Dunkle Universum» bringen, wie Cern-Chef Heuer es formuliert. Die Physiker erhoffen sich Hinweise auf die Natur der rätselhaften Dunklen Materie und der ebenso mysteriösen Dunklen Energie, die zusammen rund 95 Prozent des Universums ausmachen sollen. (acd, ap/dpa)
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