Auch Weko wittert Sparlampen-Kartell
Energiesparlampen und Leuchtstoffroehren werden teurer: Die Weko wittert Preisabsprachen. (Keystone)
Gleichzeitig mit dem Verkaufsverbot für 60-Watt-Glühbirnen in der Schweiz und in der EU erhöhen die Hersteller Osram und Philips die Preise für Energiesparlampen um durchschnittlich 20 bis 25 Prozent, wie deutsche Medien jüngst bekannt machten. In der Schweiz sind auf den 1. Oktober Erhöhungen um bis ZU 15 Prozent geplant, wie es bei Osram Schweiz auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA hiess. Vom Aufschlag betroffen sind Leuchtstoffröhren und Energiesparlampen.
Einsprache bei Weko und Bundesamt
Die Stiftung für Konsumentenschutz Schweiz will die teureren Preise auf dem Schweizer Lampenmarkt allerdings nicht hinnehmen. Wie Geschäftsführerin Sara Stalder auf Anfrage von Schweizer Radio DRS erklärte, sind Interventionen bei der Wettbewerbskommission (Weko) und beim Bundesamt für Energie bereits aufgegleist.
«Das ist doch ein eigenartiger Zufall, wenn zwei marktbeherrschende Anbieter zeitgleich die gleiche Erhöhung bekannt geben und diese auch noch gleich begründen; das riecht ganz stark nach Absprache», so Stalder.
Wenn zwei grosse Anbieter zum gleichen Zeitpunkt die Preise um den gleichen Betrag erhöhen, riecht das irgendwie schon nach Kartell, bestätigt auch Patrick Ducrey von der Wettbewerkbskommission. Man werde die Unterlagen der Stiftung für Konsumentenschutz deshalb genau prüfen und sich ein weiteres Vorgehen überlegen.
Gestiegene Rohstoffkosten
Osram und Philips begründen die «ausserordentliche Preisanpassung» mit einem drastischen Preisanstieg bei so genannten seltenen Erden, die als Rohstoff benötigt werden. «Die zunehmende globale Knappheit dieser Materialien hat zu einer Kostenexplosion geführt», schreibt etwa Osram Schweiz einem Brief an seine Kunden.
Die Begründung ist, dass diese seltenen Erden hauptsächlich aus China kommen, erklärt Suzy Chisholm von Philips Schweiz die Preisentwicklung auf dem Rohstoffmarkt. Die chinesischen Anbieter beherrschten den Weltmarkt und könnten die Preise deshalb frei gestalten, ergänzt Hans-Rudolf Bosshard von Osram Schweiz. Osram arbeite deshalb an Prozessen, um seltene Erden über Recycling zurückzugewinnen.
«Fadenscheinige Begründung»
Stalder vom Konsumentenschutz winkt ab: «Bei Preisanhebungen hören wir immer wieder das Argument der verteuerten Rohstoffe - egal in welcher Branche. Für mich ist das eine fadenscheinige Begründung.» Viel eher werde man den Verdacht nicht los, dass das Verbot von energieintensiven Glühbirnen absichtlich forciert worden sei, um danach die Preise für Sparlampen anheben zu können.
Zudem müssten in Zeiten des schwachen Euros Importprodukte aus der EU generell eigentlich deutlich günstiger werden, argumentiert Stalder weiter. Dazu halten Osram und Philips jedoch dagegen, dass auch die Wechelkursentwicklung den Kostenanstieg bei der Produktion nicht zu kompensieren vermöge.
Aus den Geschäften verbannt
Seit dem 1. September dürfen in der Schweiz und in der EU keine herkömmlichen Glühbirnen mit mehr als 40 Watt in den Handel kommen. Dadurch dürfte die Nachfrage nach Energiesparlampen deutlich ansteigen.
Bereits seit zwei Jahren sind in der Schweiz die 100-Watt-Birnen verboten, seit einem Jahr die 75-Watt-Birnen. Bis Ende 2012 sollen alle herkömmlichen Glühbirnen verschwinden. Eine Energiesparlampe mit 12 Watt entspricht einer 60-Watt-Birne.
Befürworter hatten bisher argumentiert, die wesentlich teureren Energiesparlampen wären nicht nur effizienter, sondern aufgrund ihrer längeren Haltbarkeit unterm Strich auch günstiger. Allerdings halten Kritiker dagegen, dass dies für viele Haushalte nicht zutrifft.
Die Stiftung für Konsumentenschutz empfiehlt nun, auf No-Name-Lampen auszuweichen, wenn man die beiden Marktführer Osram und Philips nicht unterstützen wolle. Eine andere Variante sei, mit Halogen- oder LED-Lampen zu beleuchten. (brar, sda)
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