Aufeinandertreffen von Ost und West am Potsdamer Platz, 12. November 1989. (Reuters)
Chronik der Wiedervereinigung
| 9. November 1989 | ||
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Am Abend des 9. November 1989 verliest Günter Schabowski auf einer internationalen Pressekonferenz, die live im DDR-Fernsehen und im Radio übertragen wurde, die Nachricht über eine neue Reiseregelung, die von je zwei hohen Offizieren des Innenministeriums und des Ministeriums für Staatssicherheit formuliert worden war.
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Nach der Vermeldung dieser Neuigkeiten in den Tagesthemen setzt ein Massenansturm auf die Grenzübergänge ein. Eine von den Medien verbreitete Fiktion ergreift die Massen - und wird dadurch zur Realität. |
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| 10. November 1989 |
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Aufgrund des Massenandrangs scheitert an den Berliner Übergängen der Versuch, ab 8.00 Uhr - wie in der Nacht öffentlich angekündigt - zu einem kontrollierten Reiseverkehr zurückzukehren. Gleichzeitig bilden sich überall in der DDR vor den Volkspolizeikreisämtern lange Schlangen. |
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| 11. November 1989 |
In der Zwischenzeit hat sich die Lage am Brandenburger Tor entspannt: Grenzsoldaten haben mit friedlichen Mitteln die Mauer geräumt und sie anschliessend selbst besetzt. Die Gefahr eines militärischen Eingreifens ist vorüber. Am Nachmittag droht West-Berlin aus allen Nähten zu platzen. |
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| 13. November 1989 |
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Zehnstündige Sitzung der DDR-Volkskammer: Die Abgeordneten der Blockparteien kündigen der SED ihre bislang bedingungslose Gefolgschaft. Hans Modrow wird bei nur einer Gegenstimme zum neuen Vorsitzenden des Ministerrates bestimmt und mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt. |
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| 28. November 1989 |
Bundeskanzler Kohl gibt sein Zehn-Punkte-Programm bekannt, das über einen Zeithorizont von fünf bis zehn Jahren die stufenweise Entwicklung konföderativer Strukturen mit dem Ziel einer einheitlichen bundesstaatlichen Ordnung beinhaltet. Ziel dieses Prozesses soll dann die Wiedervereinigung sein. |
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| 3. Dezember 1989 |
Unter dem Druck der SED-Basis treten das SED-Politbüro und das Zentralkomitee geschlossen zurück. Mitglieder der alten SED-Führung werden am Morgen in Untersuchungshaft genommen. |
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| 4. Dezember 1989 |
Besetzung der Leipziger Stasi-Zentrale. |
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| 7. Dezember 1989 |
Die erste Sitzung des zentralen «Runden Tisches» in Ost-Berlin. Teilnehmer (SED, Blockparteien, Massenorganisationen und Opposition. spricht sich für Neuwahlen, eine neue Verfassung und die Auflösung des in "Amt für Nationale Sicherheit (AfNS)" umbenannten Ministeriums für Staatssicherheit aus. |
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| 16. Dezember 1989 |
Die DDR-CDU formiert sich neu, die SED gibt sich einen neuen Namen: SED-PDS. |
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| 19. Dezember 1989 |
Kohl besucht erstmals seit der Wende die DDR. Er wird in Dresden begeistert von der Bevölkerung empfangen. Modrow fordert von Kohl einen «Lastenausgleich» in Höhe von 15 Milliarden DM für die DDR; Kohl lehnt ab. |
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| 22. Dezember 1989 |
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Ministerpräsident Hans Modrow und Bundeskanzler Helmut Kohl eröffnen unmittelbar am Brandenburger Tor eine Grenzübergangsstelle. |
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| 15. Januar 1990 |
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Tausende von Demonstranten besetzen die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi) in Berlin-Lichtenberg. |
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| 26. Januar 1990 |
In Moskau findet unter Leitung von Michail Gorbatschow eine mehrstündige Experten-Krisensitzung zur Lage in der DDR statt. Es herrscht Einigkeit, dass die DDR nicht zu halten sein wird. Die Idee einer Sechser-Konferenz zu Deutschland («Vier-plus-Zwei») wird ebenso befürwortet wie die Vorbereitung des Abzugs der sowjetischen Streitkräfte aus der DDR. |
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| 30. Januar 1990 |
Gorbatschow erklärt vor der Presse, dass «die Vereinigung der Deutschen niemals und von niemandem prinzipiell in Zweifel gezogen wird.» |
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| 1. Februar 1990 |
Das neue Reisegesetz in der DDR tritt in Kraft. |
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| 5. Februar 1990 |
Bildung einer «Regierung der Nationalen Verantwortung» aus Mitgliedern von Parteien und Gruppen des Runden Tisches. |
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| 12. Februar 1990 |
Aussenminister bereiten «Zwei-Plus-Vier-Gespräche» vor, in denen die beiden deutschen Staaten mit den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs die äusseren Bedingungen der Wiedervereinigung geregelt werden. |
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| 19. Februar 1990 |
Unter den Augen der Weltöffentlichkeit beginnt am Abend der Abbau der Berliner Mauer im Bereich des Potsdamer Platzes im Zentrum Berlins. An ihre Stelle tritt ein dezenter, etwa zwei Meter hoher grüner Maschendrahtzaun. |
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| 1. März 1990 |
DDR-Ministerrat gründet die «Anstalt zur treuhänderischen Verwaltung des Volkseigentums», eine Treuhandgesellschaft, die die volkseigenen Betriebe und Kombinate in Kapitalgesellschaften umwandeln soll. |
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| 14. März 1990 | ||
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Zusammenkunft der ersten Gesprächsrunde nach der in Ottawa vereinbarten Zwei-plus-Vier-Verhandlungen auf Beamtenebene im Auswärtigen Amt. |
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| 18. März 1990 |
Erste und letzte freie Wahlen zur Volkskammer der DDR. Gewinner ist die «Allianz für Deutschland», ein Bündnis aus CDU, Demokratischem Aufbruch und Deutscher Sozialer Union, das eine möglichst rasche Wiedervereinigung anstrebt. |
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| März 1990 |
DDR und BRD nehmen Verhandlungen über eine Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion auf. Der Vertrag wird am 18. Mai 1990 unterzeichnet. |
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| Mitte Juni 1990 |
Die Volkskammer beschliesst das Treuhandgesetz, das die Regierung de Maiziere in enger Zusammenarbeit mit der Bundesregierung ausgearbeitet hat. |
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| 1. Juli 1990 |
Die Währungsunion tritt in Kraft. In der DDR wird die D-Mark zum Zahlungsmittel, Kohl erwähnt in einer Fernsehansprache erstmals die «Blühenden Landschaften». |
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| 22. Juli 1990 |
Die Volkskammer stimmt dem Verfassungsgesetz zur Bildung von Bundesländern in der DDR zu. Diese waren 1952 aufgelöst worden. |
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| 23. August 1990 | Die Volkskammer beschliesst den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober. | |
| 31. August 1990 |
Der Einigungsvertrag wird unterzeichnet. Er wurde am 18. September durch eine Vereinbarung zur Auslegung und Durchführung ergänzt. |
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| 12. September 1990 |
Die Siegermächte stimmen dem Zwei-plus-Vier-Vertrag zu. |
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| 24. September 1990 | Die DDR kündigt ihre Mitgliedschaft beim Warschauer Pakt auf. | |
| 3. Oktober 1990 | ||
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Wiedervereinigung. Offiziell treten die auf dem Territorium der DDR gegründeten Länder dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei. Der 3. Oktober war der frühestmögliche Termin, weil die Bundesregierung zuvor noch die KSZE-Aussenministerkonferenz am 2. Oktober über die Ergebnisse der Zwei-plus-Vier-Verhandlungen informieren wollte. Im Einigungsvertrag wurde der 3. Oktober als «Tag der deutschen Einheit» und Nationalfeiertag festgelegt worden. |








